Moers: Juden und Moslems: Klezmer für den Frieden

Konzert in der Moerser Stadtkirche : Juden und Moslems: Klezmer für den Frieden

Fünf erstklassige Instrumentalisten und ein Meister an der Klarinette: Der 83-jährige Giora Feidman gastierte in der Stadtkirche.

Fünf erstklassige Instrumentalisten und ein Meister an der Klarinette. Am Donnerstag gastierte mit dem 83-jährigen Giora Feidman ein weltbekannter Musiker in der evangelischen Stadtkirche in Moers und begeisterte seine Besucher dabei gut zwei Stunden lang nicht nur mit seinem musikalischen Können.

„Klezmer for Peace“, hieß das Konzert, mit dem er und seine Musikerkollegen Hila Ofek (Harfe), Andre Tsirlin (Saxophon), Murat Coskun (Percussion), Gürkan Balkan (Oud und Gitarre) und Muhittin Kemal Temel (Kanun) zurzeit in Deutschland auf Tournee sind.

Der Konzerttitel spiegelt Giora Feidmans seit vielen Jahren propagierte Botschaft von der friedensstiftenden Macht der Musik wider. Selber als Sohn eines jüdischen Ehepaares in Argentinien geboren, und später nach Israel ausgewandert, gilt er als einer der derzeit bedeutendsten Friedensbotschafter zwischen den unterschiedlichen Weltreligionen.

Dementsprechend bestand sein an diesem Abend auftretendes Sextett sowohl aus jüdischen und islamischen Musikern. Eine spannende Mischung, die neben traditionell jüdischer Klezmer-Musik auch arabische, türkische und argentinische Elemente präsentierte. „Es gibt nur eine Sprache auf der Welt, und das ist die Musik“, verkündete Giora Feidman gleich zu Anfang des Konzertes, nachdem er sich mit zunächst kaum hörbaren und dann immer lauter werdenden Klarinettenklängen langsam durch den Mittelgang der Kirche zu seinen bereits zuvor im Altarraum aufgestellten Musikern gesellte.

Doch statt sich selber danach gleich als erster Solist zu präsentieren, überließ er den instrumentalen Auftakt dem türkischen Gitarristen und Oud-Spieler Gürkan Balkan. Auch im Verlauf des weiteren Konzertes tat er sich mit seiner Klarinette nur selten als eigentlicher Star der Truppe hervor.

Im Gegenteil. So belohnte er zum Beispiel ein beeindruckendes Percussion-Solo seines Bandkollegen Murat Coskun zwischendurch immer wieder mit lauten Bravo-Rufen und belohnte die israelische Harfenistin Hila Ofek für ihre ebenfalls beeindruckende Solodarbietung mit einem charmanten Luftkuss.

Eine Geste, die er auch zwischendurch immer wieder seinen Konzertbesuchern zukommen ließ. Zum Beispiel, als sie auf seine Aufforderung hin zunächst etwas schüchtern das von dem jüdischen Musiker Aaron Zeitlin im Dritten Reich komponierte Lied „Dona, Dona, Dona“ sangen. Dieser Charme und auch die unverstellte Sympathie, die seine Mitspieler zwischendurch immer wieder für Giora Feidman demonstrierten, machten diesen Abend nicht nur zu einem musikalischen, sondern auch zu einem tollen menschlichen Ereignis.

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