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Moers: Inklusiver Mitsingnachmittag im Bollwerk

„Wolke 107“ : Einfach super: Inklusiver Mitsingnachmittag im Bollwerk

Sie feiern oft und gerne, doch meistens bleiben sie dabei unter sich. Gemeint sind Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Gemeinsame Veranstaltungen mit nicht Behinderten finden nur selten statt.

Umso erfreulicher war ein sogenannter „inklusiver Mitsingnachmittag“ mit der bekannten Duisburger Sängerin und Songwriterin Anja Lerch im Moerser Jugend- und Kulturzentrum „Bollwerk 107“. Gut 200 Besucher waren dazugekommen, davon etwa die Hälfte aus den „Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein“ (CWWN) und diversen anderen karitativen Behinderteneinrichtungen.

Es war nicht die erste inklusive Veranstaltung im Bollwerk. Unter dem Titel „Wolke 107“ haben dort seit 2013 unter anderem gemeinsame Tanz-, Karnevals- und Halloween-Partys stattgefunden. Nicht immer mit dem gewünschten Gemeinschaftseffekt. Die behinderten Besucher blieben oft weitgehend unter sich. Der Singnachmittag mit Anja Lerch war da eine wahrhaft gelungene Ausnahme. Die 1968 in Duisburg geborene Sängerin und Songwriterin hat an der Musikhochschule Arnheim Jazz- und Popgesang studiert und verfügt durch ihre regelmäßig im Duisburger Kulturlokal „Steinhof“ veranstalteten Mitsingabende inzwischen über eine riesige Fangemeinde.

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„Die Veranstaltungsreihe ,Wolke 107’ ist in der letzten Zeit leider ein wenig eingeschlafen. Da haben wir uns gedacht, eine Mitsingveranstaltung mit Anja Lerch wäre eine gute Gelegenheit, das Ganze wieder aufleben zu lassen. Anja Lerch kommt ja bei allen gut an“, erklärte Patrick Schmette, dessen Organisationsteam auch diesmal wieder aus „Bollwerkern“ und Mitgliedern der „Caritas Wohn- und Werkstätten“ bestand.

So stimmte der in einer betreuten Wohneinrichtung in Rheinhausen lebende Andreas Muske die Besucher schon vorher mit seinen mitgebrachten CDs in der angrenzenden Kneipe auf den Mitsing-Nachmittag ein. Andere halfen an der Kasse, und Detlev Reisenberger, der mit vier weiteren behinderten Freunden in einer Wohngemeinschaft lebt, machte sogar auf der Bühne die Ansage für Anja Lerch. „Und? Habt ihr schon alle fleißig zu Hause geübt“, begrüßte die ihr Publikum mit der für sie typischen lockeren Art. „Jaaaaa“, lautete die begeisterte Antwort aus dem Saal. „Na dann los!“, rief Lerch und setzte sich an das Klavier, das man für sie neben der Leinwand für die Projektion der Songtexte auf der Bühne aufgestellt hatte.

„Sprechen Sie Französisch? Nein? Dann dürfte Ihnen dieser Song gefallen“, plauderte die Sängerin unbefangen drauf los und schlug dabei die ersten Akkorde des diesjährigen Namika-Sommerhits „Je ne parle pas francais“ an. Dessen Melodie kannten die meisten Besucher, und von Joachim Witts „Goldenem Reiter“ außerdem auch noch den Refrain. Beim „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten erhoben sich die ersten Besucher erstmals von ihren Stühlen, und sangen unabhängig ob „behindert“ oder nicht, lautstark den Refrain „Ohoho Arschloch“ mit, während Anja Lerch – inzwischen von der Bühne herabgestiegen – einzelnen besonders engagierten Sängerinnen und Sängern das Mikrofon hinhielt. Ein auf der Leinwand zu sehendes Bild von Peter Alexander beruhigte die Stimmung dann wieder etwas. „Kennt ihr den noch?“ Wieder erschallte ein lautes „Jaaaaa“ aus dem Saal, bevor dort nach seinem Superhit „Die kleine Kneipe in unserer Straße“ ein allgemeines Schunkeln einsetzte.

Und so ging es weiter. Mal war es der Refrain von „Karats“ „Über sieben Brücken musst du gehen“, mal das ganze Lied „99 Luftballons“ von Nena, dass die Besucher an diesem Nachmittag einmal mehr in einen großen, kollektiven Spontanchor verwandelte. „Super“, lobte Detlev Reisenberger in der Pause, nachdem ihn seine WG-Mitbewohnerin Claudia Schmitz zu Nenas „99 Luftballons“ zuvor heftig in seinem Rollstuhl hin- und hergerockt hatte: „Von solchen Veranstaltungen könnte es in Moers ruhig demnächst noch mehr geben.“