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Moers: „Gülle riecht weniger stark als früher“

Landwirtschaft in Moers : „Gülle riecht weniger stark als früher“

Johannes Leuchtenberg als Vorsitzender der Kreisbauernschaft sieht die Landwirtschaft bei der Gülleausbringung auf einem guten Weg. Der Landwirt hat ein Unternehmen beauftragt, das sich auf die neueste Technik spezialisiert hat.

Johannes Leuchtenberg ist „Landwirt aus Passion“, wie er selbst über sich sagt. Sein Hof liegt nahe der Autobahnauffahrt Moers-Hülsdonk der A 57. Der 51 Jahre alte Agraringenieur hält 70 Kühe, die nicht nur Milch liefern, sondern auch Gülle, außerdem Kälber zur Nachzucht. Der Vorsitzende der Kreisbauernschaft darf seit Anfang Februar wieder Gülle auf seinen Feldern ausbringen, nachdem die Winterpause vom 1. November bis zum 31. Januar vorüber ist. Das geht in die Nase und stinkt nicht wenigen. „Ich habe noch keine Gülle ausgebracht, wie andere Landwirt auch“, sagt der Landwirt. „Der Boden ist einfach zu nass. Ein Traktor würde Furchen hereinfahren. Er würde den Boden zu sehr verdichten. Verdichtung ist schlecht. Deshalb warten die meisten Landwirte noch etwas ab, bis es trockener ist, bevor sie Gülle ausbringen.“

Er arbeitet mit einem Lohnunternehmen zusammen, das die Gülle für ihn auf Äckern und Wiesen verteilt. „Es hat sich spezialisiert und setzt die neueste Technik ein“, begründet Leuchtenberg die Vergabe. „seit einige Jahren vergeben immer mehr Landwirte die Ausbringung.“ Sein Lohnunternehmen nutzt zum Beispiel die Injektionstechnik. Auf sechs Metern Breite schlitzt eine Maschine fünf Zentimeter tiefe Furchen in den Boden, in die die Gülle läuft. Diese Furchen bleiben offen. „Es riecht viel weniger, weil es kaum Ammoniakverluste über die Luft gibt“, erklärt der Landwirt. „Aber es riecht.“ Daneben bringt das Lohnunternehmen die Gülle mit dem Schleppschlauchverfahren aus. Eine 15 Meter breite Maschine lässt die Gülle kurz über dem Boden darauf tropfen. „Es entsteht weniger Geruch als bei den herkömmlichen Verfahren“, berichtet der Landwirt. „Die modernen Verfahren werden immer öfter eingesetzt. Dabei ist die Injektionstechnik das beste Verfahren. Ich denke, sie wird sich in den nächsten Jahren durchsetzen, obwohl sie teurer ist. Aber sie sorgt für den geringsten Ärger, wenn Gülle ausgebracht wird, also für die wenigsten Anrufe bei der Landwirtschaftskammer in Kleve.“

Bei der Injektionstechnik entsteht am wenigsten Ammoniak, der für den scharfen Geruch der Gülle sorgt und vor allem aus Stickstoff besteht. „Gülle enthält viel Stickstoff, aber auch Phosphor und Kalium“, erläutert Leuchtenberg. „Sie ist ein natürlicher Dünger. Durch Gülle schließt sich ein Kreislauf. Künstlicher Mineraldünger muss mit viel Energie hergestellt werden. In Zeiten, in denen viel Wert auf Nachhaltigkeit gelegt wird, kann das niemand wollen.“ Am Niederrhein kommt zu diesem Kreislauf Gülle von außen hinzu, zum Beispiel aus den Niederlanden und Westfalen. Der Kreis Wesel ist ein Gebiet, das Gülle aufnimmt, weil es dort im Vergleich zur Fläche wenig Schweine und Kühe gibt, durch die Gülle entsteht. Der Kreis Borken ist ein Gebiet, das Gülle in den Kreis Wesel abgibt, weil dort mehr Tiere stehen.

„Das ist ein ganz normaler Vorgang“, meint Leuchtenberg. „Mir ist nicht bekannt, dass größere Mengen Gülle aus den Niederlanden in den Kreis Wesel gelangen.“ Ein Teil des Stickstoffs der Gülle sickert als Nitrat ins Grundwasser. In den letzten Jahren seien die Nitratwerte im Kreis Wesel gesunken, weil die Landwirte Gülle gezielter und mit verbesserter Technik aufbringen oder aufbringen lassen. „Im linksrheinischen Teil des Kreises liegen die Messergebnisse von 2018 bei den meisten Messstellen unter 50 Milligramm Nitrat pro Liter“, weiß Leuchtenberg. „Das ist der Grenzwert der Trinkwasserverordnung. Der linksrheinische Teil des Kreises Wesel wäre demnach ein grüner Bereich laut Düngeverordnung. Leider sind oft noch die Werte von 2012 in Umlauf, auch bei der Europäischen Union in Brüssel. Diese lagen höher. Es dauert lange, bis das Bundesumweltministerium die aktuellen Werte aufgearbeitet hat.“