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Moers: Gastronomie spielt sich nur langsam ein

Moers in Corona-Zeiten : Gastronomie spielt sich nur langsam ein

Die Gastronomen in der Grafschaft haben mit verschiedenen Herausforderungen und Sorgen in Corona-Zeiten zu kämpfen. Nur schleppend läuft die Rückkehr der Gäste. Zurückhaltung bestimmt das Verhalten der Menschen.

Ein sonniger Freitagabend läutet im Grafschafter Wirtshaus in Moers das Wochenende ein. Bürgermeister Fleischhauer hatte die Fläche zur gastronomischen Nutzung freigegeben. Biergartenstimmung macht sich in Corona-Zeiten vor dem alten Landratsamt breit. Der Samstagmittag hingegen gibt sich eher ruhig. Hygieneregeln, Mundschutz, Mindestabstand, Platzzuweisung durch Servicekräfte und Dokumentierpflicht der Gäste bestimmen den Aufenthalt im Wirtshaus-Gärtchen wie auch im Extrablatt am Altmarkt. Betriebsleiter Memo Öktem (39) und Geschäftsführer Stipe Madzar (40) atmen auf, behalten die Situation und mögliche Szenarien im Blick. Nach dem Shutdown hielt ein Liefer- und Abholservice das Grafschafter Wirtshaus in der Öffentlichkeit präsent. Eine ungewohnte wie teure PR-Kampagne, zu der Betriebe in der Branche griffen, die sich jedoch als kundenwirksam herausstellte.

„Wir haben Fotos bekommen, wie Stammgäste unser Essen zuhause genießen. Das bestätigt uns auf unserem Weg“, sagt Memo Öktem. „In der Krise haben wir viel gelernt. Die Kunst besteht darin, die Gäste zu halten. Wir arbeiten jetzt um das Überleben im Winter.“ Manch Gast steht vor dem Wirtshaus. Die Überlegung, sich an einen der Tische zu setzen, ist ihm förmlich im Gesicht abzulesen. „Wir sprechen die Gäste an und begleiten sie an die Tische. Wir machen alles möglich, um Gäste zu platzieren. Keiner muss warten. Wir kümmern uns“, betont der Betriebsleiter. Memo wagt eine vorsichtige Prognose. „Rund 40 Prozent fehlen uns, um an alte Zeiten anzuknüpfen. Auch bei all den Lockerungen bleiben wir weiterhin vorsichtig, aber zuversichtlich. Wie schnell alles wackeln kann, haben uns die neuen Moerser Corona-Fälle gezeigt. Vor einer zweiten Welle haben wir Angst.“ In Kamp-Lintfort ist auf dem Abteiplatz das Haus Bieger, das Petra Winter führt, eine sichere Anlaufstelle, auch für Gäste der Laga.

„Damit können wir leben und kommen über die Runden“, sagt die Gastronomin, die Corona-konform Sitzplätze reduzierte, neben der Karte und dem Kuchenangebot über einen Fensterverkauf mit Snacks to go die Gäste verwöhnt. Festlichkeiten in der Begegnungsstätte entfallen. Dass die Pandemie Menschen verändert, spürt sie, und merken ihre Servicekräfte. „Manchmal wünsche ich mir mehr Geduld und Verständnis von auswärtigen Laga-Gästen. Wir fühlen uns an Hygieneregeln mit Desinfektion der Tische gebunden. Unsere Stammgäste kommen langsam wieder, was mich freut. Wir lassen uns nicht von einer möglichen zweiten Welle verrückt machen. Wir kriegen diese Krise gebacken“, sagt Winter.

In Neukirchen-Vuyn führt Moni Venohr den Familienbetrieb Vluyner Stuben. Zum Restaurant mit Biergarten gehört das Hotel. Hotelstornos bestimmen den Alltag der Betreiberin. Venohr beherbergt sonst Düsseldorfer Messegäste. „Die großen Messen fallen alle weg. Für den Hotelbetreich eine Katastrophe. Jetzt steht die Medica im November auf der Kippe.“ Ähnlich die Situation bei den Familienfesten. „Wir haben ein älteres Stammpublikum, das aus Angst vor einer Ansteckung verständlicherweise absagt. Dann kommen jetzt die Ferienmonate“, betont sie. Zweieinhalb Monate hatte sie ihren Betrieb geschlossen. Famlienfeste im Mai entfielen, wie angemeldete Treffen der Fahrrad- und Motorradclubs. Nicht anbieten kann sie wegen der Auflagen das sonntägliche Lunchbüffet.

Der Betrieb im überdachten Biergarten steigert sich vorsichtig, während das Restaurant kaum besucht wird. Venohr: „Am verwirrendsten sind jetzt die unterschiedlichen Nachlässe bei der Mehrwertsteuer bis Ende Dezember, die wir in unserem Kassensystem ausweisen müssen. Dazu brauchen wir neue Software, die kostet“, erläutert die Neukirchen-Vluynerin.