Moers: Firma Green Billbo entwickelt kompostierbare Hundekotbeutel

Gegen Plastikmüll : Nachhaltige Hundekotbeutel für Moers

Mit seiner Firma Green Billbo will Sven Leygraf gegen Plastikmüll kämpfen. Seine Hundekottüten sollen bald von der Enni verteilt werden.

Die Zahlen sind gewaltig. Rund 900.000 Plastiktüten für Hundekot benutzen die Menschen pro Jahr – alleine in Moers. „Die meisten davon landen im Müll. Viel zu viele aber leider auch in der Umwelt“, sagt Sven Leygraf. Gemeinsam mit seiner Schwester, seinem Vater und zwei Studienkollegen hat er deshalb im vergangenen Jahr die Firma Green Billbo gegründet. Sein Ziel: so schnell wie möglich, am besten noch in diesem Jahr, ganz Moers mit kompostierbaren Hundekotbeuteln auszustatten.

Die Geschwister Sven und Nadine Leygraf aus Moers stecken hinter dem Start-up Green Billbo. Foto: Sven Leygraf

Leygraf spricht aus Erfahrung, er hat selber einen Hund. „Überall in den Büschen sieht man Plastiktüten, wenn man genau hinguckt“, sagt er. Damit hat er ein Problem: „Das bleibt Jahrzehnte in der Umwelt.“ Die kompostierbaren Tüten, die er bald verkaufen will, werden hingegen aus organischen Materialien wie Mais und Fetten hergestellt – auch wenn ein kleiner Erdölanteil bleibt. In weniger als einem Jahr sind die Beutel so vollständig abgebaut. Leygraf stellt aber klar: „Das bedeutet nicht, dass die Tüten dann ins Gebüsch geworfen werden sollen. Die gehören in den Müll, sonst nirgendwo hin.“

Eine Kooperation mit der Enni, die an knapp 60 Stellen in der Stadt Spender für solche Beutel aufgestellt hat, ist bereits in die Wege geleitet. „Von denen aus würde es eher heute als morgen losgehen“, sagt Leygraf. „Wir stehen dem Thema positiv gegenüber. Auch vor dem Hintergrund, dass die Beutel leider sehr oft in Grünflächen und am Straßenrand entsorgt werden“, sagt Enni-Sprecher Frank Grusen. Der Nachteil der kompostierbaren Beutel: Sie sind teuer. „Etwas billigeres als Plastik gibt es auf dem Markt nun mal nicht“, sagt Leygraf. Seine Firma plant daher, Werbung auf die Hundekottüten drucken zu lassen. Gefragt seien Unternehmen, die ihre Zielgruppe, die Hundehalter, explizit ansprechen wollen. „Zwei Sponsoren haben wir schon“, verrät Leygraf, „zwei weitere brauchen wir noch, damit das ganze finanzierbar ist.“ So unterstützt die Barf-Fleischerei aus Moers das Projekt, auch der Bundesverband Tierschutz will auf den Tüten werben. Haben sie zwei weitere Partner gefunden, wollen der 29 Jahre alte Student der ökologischen Landwirtschaft und sein Team sofort an den Start gehen. „Dann wird es zunächst ein Pilotprojekt geben, bei dem wir 170.000 Tüten nutzen“, erklärt Leygraf. Anschließend will er die ganze Stadt abdecken.

Von einer Fachjury ist das Moerser Start-up kürzlich mit dem NRW-Stipendium ausgezeichnet worden. Zur Belohnung wird das junge Unternehmen nun ein Jahr lang unterstützt und gecoacht. Fachkundige Kräfte der Industrie- und Handelskammer werden Green Billbo beratend zur Seite stehen. „Das ist ein cooler Meilenstein für uns, der uns zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Leygraf. Zum Team gehören Schwester Nadine, Vater Ralf sowie Till Stempel und Lukas von der Laden.

Sollte sich das System in Moers etablieren, kann sich Sven Leygraf eine Expansion in der Region vorstellen: „Da wollen wir langfristig hin. In Deutschland entstehen jedes Jahr 5,5 Milliarden Hundehaufen. Der Markt ist also riesig.“

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