Moers-Festival 2017 lockt mit 24 Konzerten

Präsentation in Düsseldorf : Moers-Festival lockt mit 24 Konzerten

Tim Isfort hat es geschafft: In nur drei Monaten stemmte er das Programm für das 46. Moers Festival (2. bis 5. Juni). Pfingsten gibt es 24 Konzerte.

Das muss man Tim Isfort und seinem Team lassen: Sie haben Humor. Die Vorstellung des Moers-Festivals-Programms inszenierten sie Donnerstagvormittag als lustigen Flashmob auf der Wiese unterhalb der Düsseldorfer Rhein-Knie-Brücke. Auf dem Rhein fuhren kleine Boote vorbei — mit Plakaten, die für das 46. Moers Festival warben, Camper schlugen ihre Zelte auf und öffneten Ravioli-Dosen, überall war der Festival-Schriftzug zu lesen, selbst am Brücken-Gelände, das Isforts Team sozusagen gekapert hatte. Und während der offiziellen Redebeiträge erklangen leise die Melodien kleiner Spieluhren. Das brachte dann selbst Festivalchef Tim Isfort aus dem Takt, der die Landeshauptstadt als den Ort seiner allerersten Programm-Vorstellung ausgewählt hatte.

Er wolle die Internationalität des Moers Festivals betonen, begründete der neue künstlerische Leiter, warum er Moers für diese Pressekonferenz verlassen hatte. Ob sich dieser Aufwand mit der Anreise von Bürgermeister Christoph Fleischhauer, Kulturdezernent Wolfgang Thoenes, Carmen Weist, Aufsichtsratsvorsitzende der Kultur GmbH, sowie Geschäftsführer Claus Arndt nach Düsseldorf tatsächlich gelohnt hat, wird sich Pfingsten zeigen.

Die mediale Aufmerksamkeit war zumindest nicht ganz so hoch, wie man es sich offenbar erhofft hatte. Das Musikprogramm, das Tim Isfort vom 2. bis zum 5. Juni, dem Publikum in der Festivalhalle am Solimare servieren wird, klingt hingegen schon ganz gut. Es bietet eine Mischung aus Tradition und Experiment. Anthony Braxton wird zum Beispiel wieder nach Moers kommen — inzwischen zum 10. Mal. Der Saxofonist bringt sein Sextett mit.

Der ehemalige Percussionist der "Einstürzenden Neubauten", FM Einheit, wird Pfingsten zu einem Weltmusik-Projekt stoßen, das den Titel "Radio Kinshasa" heißt und das Tim Isfort von seiner Reise in den Kongo im Februar mitgebracht hatte. In diesem Projekt stellen sich Musiker wie Bebson de la Rue dem Publikum vor, die ihre Instrumente aus Müll bauen. Der Festivalchef führt Pfingsten außerdem eine neue Reihe ein: Sie heißt "Discussions" und bringt unterschiedliche Musiker auf der Festivalbühne zusammen: Es spielen Pavel Arakelian (Saxofon), Achim Krämer und Carolin Pook (beide Schlagzeug) sowie Achim Zepezauer, der für den elektronischen Sound sorgen wird. Eine andere ungewöhnlich besetzte Diskussionsrunde wird sich mit der Frage beschäftigen, ob Festivals noch zeitgemäß sind. Mit dabei sind der Amerikaner David Moss, die Belgierin Catherine Jauniaux, der niederländische Vokalakrobat Jaap Blonk und die Perfomancekünstlerin Kim José Bode.

Der Festivalleiter hat sich noch eine weitere Neuerung für das diesjährige Pfingstspektakel einfallen lassen: Das Hauptprogramm spielt nicht nur in der Festivalhalle am Solimare: Die eingeladenen Musiker tragen das Festival in die Moerser Innenstadt. Die Sängerin Julien Baker wird in der St.-Josef-Kirche auftreten. In der Szenekneipe "Die Röhre" findet Pfingsten eine Kongo Session statt. In der Moerser Stadtkirche wird Frank Stenzel die bis dahin fertiggestellte Orgel als Klangerzeugerin in einem ganz neuen Licht präsentieren.

Er wolle mit Moerser Hör- und Sehgewohnheiten spielen, betonte Tim Isfort. Und deshalb präsentiert er an vier Tagen 24 Konzerte, die Punk, Elektro, Free Jazz, Avantgarde und zeitgenössische improvisierte Musik zu bieten haben. Und eine Europa- und Welturaufführung gibt es noch dazu: und zwar handelt sich um zwei Orchesterstücke aus der Feder von Saxofonistin Ingrid Laubrock. Mehr zum Programm findet man hier.

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