Moers: Europa-Politiker diskutiert mit Schülern

Europa-Wahl : Europa-Politiker diskutiert mit Schülern

Der NRW-Spitzenkandidat Jens Geier (SPD) machte jetzt in Moers am Grafschafter Gymnasium Station, um mit rund 20 Jugendlichen über die anstehende Europawahl zu diskutieren.

Der Sozialwissenschaftskurs und die Lehrkräfte Eva Meiwes und Jens Kosrien hatten den 57-Jährigen eingeladen. Fragen schwirrten durch die Luft, die eine intensive Vorbereitung erkennen ließen.

Ein Umstand, der dem Gast Spaß machte. Jens Geier gab sich als Profi, der weiß, was Jugend bewegt. Welche Erfolge schätzt der Mann aus Brüssel, welche zählt er zu den Misserfolgen?, so eine der Fragen. „Erfolg ist für mich, dass wir seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges in Frieden leben“, so Geier. Weniger erfolgreich das Bestreben, auf europäischem Boden einheitliche landwirtschaftliche Reformen durchzuführen, da jedes Land unterschiedliche Wirtschaftsziele verfolgt. Naturgemäß nahm die Diskussion um den Brexit, die Digitalisierung wie auch die Flüchtlingskrise einen größeren Raum ein. Wichtig war den Schülerinnen und Schülern die Brexit-Einschätzung des EU-Parlamentariers zu erfahren. „Die Briten wissen nur, was sie nicht wollen“, so Geier. Der achtmalige, vergebliche Versuch, einen Austritt zu bewerkstelligen, spräche für sich. „Ich glaube, dass sie gar nicht gehen. Ein Austritt hätte unglaublich viele Nachteile“, so seine aktuelle Einschätzung. „Aber die Briten halten den Betrieb eines europäischen Parlaments nicht auf.“

Gibt es markante Unterschiede von SPD-Inhalten zu anderen Parteien? Für Geier eine Art Heimspiel, denn sein Herz pocht für die Sozialdemokratie, die soziale Gerechtigkeit, für Mitspracherecht und Gewerkschaften. „Bei uns finden Sie immer nur Positionen, die vom arbeitenden Menschen aus gedacht sind“, so Geier, der früh seinen Weg in die Sozialdemokratie fand und nach dem Geschichtsstudium in die politische Arbeit fand.

Kann Digitalisierung Grundrechte torpedieren? „Wir brauchen heute einen Kompass in der Politik, wenn es um Werte geht“, so Geier. Gerade die Digitalisierung verändere die Öffentlichkeit und sei das zukunftsbestimmende Thema. „Früher hatten wir gemeinsame Grundlagen, wussten um Verrat und die Tricks der Geheimdienste. Es bleibt eine große politische Aufgabe, Demokratie zu verteidigen.“

Auf die Frage, ob EU-Entscheidungen auch Moerser Jugendliche betreffen, schilderte Geier ihre Reichweite, beispielsweise in Umweltbelangen, Handelsrecht oder der Ernährung.

Auf die Frage, wie sich Jugend mehr für Politik interessieren lasse, konterte er. „Sagen Sie mir, was Sie interessiert. Wir lösen es und machen dazu Politik“, so Geier. Das Thema Flüchtlingspolitik interessierte. „Die Luft ist raus“, so Geier. „Wir liegen unter der Obergrenze.“

Auch Parteien des rechten Spektrums wie AfD sorgten für Nachfragen. Die Argumentation der Denkzettelwahl sei wenig überzeugend, so Geier, der auch zu seiner politischen Arbeit Stellung bezog. „Ich habe selten so hart gearbeitet wie jetzt. Meine Arbeit macht Spaß. Es macht mich zufrieden, Dinge zu bewegen. Ich lerne die menschliche Bandbreite kennen. Belastend ist für mich eher ein Schubladendenken, das sich gegen die Individualität des Menschen richtet.“