Moers: Erstes Job-Speed-Dating in Industriehalle

Arbeitsplätze am Niederrhein : Erstes Job-Speed-Dating in Industriehalle

Im Ruhrgebiet ist das neue Format etabliert. Jetzt ist es auch am Niederrhein ein Angebot. Die Vermittlungsquote liegt bei bis zu 40 Prozent.

2017 feierte in der Duisburger Kraftzentrale im Landschaftspark Nord ein neues Format Premiere. In der Halle der Industriekultur kamen 750 Empfänger von Transferleistungen mit 80 Unternehmen in Kontakt. Die Jobcenter in Dortmund und Bochum übernahmen das Job-Speed-Dating an besonderen Orten der Industriekultur. Jetzt hat es den linken Niederrhein erreicht. Jetzt lud das Jobcenter Kreis Wesel zum ersten Job-Speed-Dating in eine Halle der Industriekultur am Niederrhein ein. 88 Empfänger von Transferleistungen kamen in der Location „Sammlerstücke“ im Eurotecgelände mit 26 Unternehmen in Kontakt.

Jeweils zehn Minuten sprachen die Empfänger von Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II, „Hartz IV“, mit jeweils  einem Mitarbeiter eines niederrheinischen Unternehmens, um nach einem Gong zur nächsten Gesprächspartnerin oder zum nächsten Gesprächspartner zu wechseln. „Im Gespräch sehe ich Gestik und Mimik“, erläuterte Sabrina Albert von der Horlemann Elektrobau  GmbH den Vorteil des Verfahrens. „Die Bewerber sind nicht nur ein Blatt Papier. Im Gespräch kann ich direkt ein paar Fragen stellen, zum Beispiel zur Mobilität. Horlemann sitzt in Uedem. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist es schlecht zu erreichen. Ein Führerschein ist von Vorteil.“ Sie war für die Horlemann bereits beim Duisburger Job-Speed-Dating dabei. „Wir haben dort einige Mitarbeiter gefunden.“ Das Unternehmen gehört seit zwei Jahren zum französischen Konzern Vinci Energies und verlegt vor allem Stromleitungen. „Wir sind ein wachsendes Unternehmen. Wir haben 580 Mitarbeiter, davon 60 Auszubildende. Wir haben 30 Stellen ausgeschrieben, zum Beispiel Elektroniker für Energietechnik oder Fachinformatiker. Gute Mitarbeiter zu finden, ist nicht leicht. Das Speed-Dating ist eine von mehreren Plattformen, die wir nutzen.“

Dabei ist es erfolgreich. „20 bis 40 Prozent der Teilnehmer finden innerhalb von einem halben Jahr eine Stelle im ersten Arbeitsmarkt“, berichtete Hermann Höcking als Geschäftsführer TÜV Nord Bildung, der das Speed-Dating für die Jobcenter organisiert. „Das sind unsere Erfahrungen aus den Datings in Duisburg, Dortmund und Bochum. Wir bereiten die Teilnehmer drei Tage lang auf diesen Termin vor. Manchmal haben sie mehrere Jahre nicht gearbeitet und Angst vor einem Vorstellungsgespräch. Wir kennen die Profile der Teilnehmer und können so gezielt Unternehmen ansprechen, die Mitarbeiter mit diesen Profilen suchen. Die Teilnehmer haben zehn schriftliche Lebensläufe bei sich. Sie geben sie zu den Gesprächen ab.“ Neben der guten Vorbereitung machte Günter Holzum als stellvertretender Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Wesel zwei weitere Faktoren für den Erfolg aus „Die Unternehmen suchen Mitarbeiter. Und im Ambiente einer Industriehalle fallen Gespräche leichter. Anfang Oktober soll es ein zweites Job-Speed-Dating am Niederrhein geben. „Wir wollen in die Lohnhalle des Bergwerkes Friedrich-Heinrich gehen“, sagte Angela Preuß als Bereichsleiterin Markt und Integration beim Jobcenter.

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