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Moers: Enni-Verwaltungsrat kritisiert evangelische Gemeinde Utfort

Enni-Verwaltungsrat kritisiert evangelischen Gemeinde Utfort : „Dieses Handeln ist unchristlich“

Im Verwaltungsrat des Energieunternehmens Enni hagelte es Kritik an der evangelischen Gemeinde Utfort. Sie will auf Bitten der Enni Trauerfeiern in ihrer Kirche zulassen, aber ohne Särge oder Urnen. Verwaltungsratsmitglieder werteten dies als ein verkapptes Nein.

Eine Trauerfeier ohne Sarg oder Urne? Das sei zumindest „unpraktikabel“, meinte Bürgermeister Christoph Fleischhauer in der Sitzung des Enni-Verwaltungsrats am Montag. Solche Trauerfeiern könnte es künftig in der evangelischen Kirche Utfort geben – jedenfalls dann, wenn die Enni sich auf ein Angebot des Presbyteriums einlässt. Fast ein Jahr lang hatte der Enni-Vorstand mit der Gemeinde darüber gesprochen, ob sie sich vorstellen könnte, Trauerfeiern in der Kirche zuzulassen. Hintergrund ist der unvermeidbare Abriss der maroden Trauerhalle auf dem Utforter Friedhof. Aus finanziellen Gründen kann die Enni als Ersatz nur einen kleineren Bau errichten, der mit seinem überstehenden Dach von Bürgern als „Unterstand“ vehement kritisiert worden war. Die Proteste veranlassten die Enni, bei der Utforter Gemeinde nachzufragen, deren Kirche unmittelbar neben dem Friedhof liegt. Im September hat das Presbyterium nun entschieden: Ja, man wolle Trauerfeiern zustimmen, aber Särge und Urnen müssten draußen bleiben.

Unter den Verwaltungsratsmitgliedern löste diese Antwort einen Sturm der Entrüstung aus. Von Irritationen war die Rede, von Verärgerung, Unverständnis, Entsetzen. Dino Maas warf der Gemeinde sogar „unchristliches Handeln“ vor. Er hätte es verstanden, wenn die Antwort „Nein, wir wollen das nicht“, gelautet hätte, sagte er. Aber das „Ja, aber“ sei eine verkappte Absage, denn Trauerfeiern ohne Särge oder Urnen seien nicht vorstellbar. Gabriele Kaenders warf dem Presbyterium vor, dem Anliegen von vornherein ablehnend gegenüber gestanden zu haben. Das Presbyterium hatte der Enni zuletzt einen umfangreichen Fragebogen zukommen lassen. Darauf habe man zum Beispiel nach dem Umgang mit muslimischen Verstorbenen gefragt. „Dabei gibt es auf dem Friedhof gar kein muslimisches Begräbnisfeld“, sagte Kaenders.

Die abrissreife alte Trauerhalle auf dem Utforter Friedhof ist bereits seit zehn Monaten geschlossen. Enni-Vorstand Lutz Hormes merkte an, dass in dieser Zeit viele Trauerfeiern auf dem Repelener Friedhof stattgefunden haben, bevor die Trauergesellschaften zur Beisetzung nach Utfort fahren. „Es hat funktioniert“, sagte Hormes. „Warum sollte es in der Folgezeit nicht auch so sein?“

Bürgermeister Christoph Fleischhauer berichtete, er habe mit dem katholischen Pfarrer Heinrich Bösing gesprochen. Bösing stehe einer Nutzung der St.-Ida-Kirche für Trauerfeiern in Utfort aufgeschlossen gegenüber. St. Ida ist allerdings viel weiter vom Friedhof entfernt als die evangelische Kirche. Bösing bekam viel Lob von den Enni-Verwaltungsratsmitgliedern. Fleischhauer warnte davor, sich zu früh zu freuen. Bösing müsse zuerst die Gemeindegremien befragen. Man dürfe aber guter Hoffnung sein.

Uwe Krakow, Pfarrer der evangelischen Gemeinde Utfort, sagte gestern auf Nachfrage unserer Redaktion, das Presbyterium habe es als richtig und wichtig angesehen, „Trauernden einen Raum zu geben“. Es habe aber einen „Anbau“ an der Kirche abgelehnt. Um Särge in die Kirche zu bringen, wäre eine Rampe oder ein Lift notwendig gewesen, den die Enni bezahlen wollte. Das Votum des Presbyteriums sei ein Angebot zu verstehen, sagte Krakow. Selbstverständlich bestehe die Möglichkeit, dieses Angebot abzulehnen.