Moers: Ein Schulleiter verabschiedet sich

Bildung in Moers : Ein Schulleiter verabschiedet sich

Ulrich Eversmann blickt auf 29 Jahre an der Hilda-Heinemann-Schule zurück. Wichtig war ihm, die Kinder auf das „richtige“ Leben vorzubereiten.

Viele Menschen vermeiden es, die Arbeit zu ihrem Lebensmittelpunkt zu machen. Doch Ulrich Eversmann (65) wollte genau das: Die Arbeit ins Zentrum seines Lebens rücken, so viel Zeit hinein investieren wie möglich. Er ist Sonderpädagoge, seit er 1976 sein Studium an der Uni zu Köln abgeschlossen hat, und leitet ehrenamtlich den Verein zur Förderung von Menschen mit Behinderung in Bottrop. „In diesem Bereich muss man engagiert sein, um etwas zu bewirken. Ich bin mit dieser Arbeit aufgewachsen, meine Eltern hatten denselben Beruf“, sagt der Schulleiter der Hilda-Heinemann-Schule heute, kurz vor seinem Abschied.

Nach rund 40 Jahren im Schuldienst geht er in den Ruhestand, nach 29 Jahren an der Förderschule für Geistige Entwicklung verabschiedet er sich. In ein Leben als Opa – zwei Enkelkinder hat er. In ein Leben mit viel Freizeit und Ruhe. Doch so ganz wird die Arbeit nicht fehlen, schließlich bleibt er Vorsitzender des Vereins zur Förderung von Menschen mit Behinderung. „Die Aufgabe könnte ein Ausgleich sein – für die viele freie Zeit, die ich nun habe“, sagt Eversmann. Der 65-Jährige schmiedet schon Pläne für den Fall, dass ihm langweilig werden könnte. Einen Lehrauftrag an der Universität zum Beispiel – den würde er mit Freude annehmen.

Fest steht: Sein Job wird ihm fehlen. Und vor allem die Menschen, die ein Teil davon sind: Die Lehrer, das große Kollegium, das immer zusammengehalten hat. Die Schüler, die ihre Stärken nutzen und sich gegenseitig helfen. Das gemeinsame Kochen, Feiern und Lachen. „Die Hilda-Heinemann-Schule hat den großen Vorteil, dass sie so nah an der Innenstadt liegt. Wir sind oft gemeinsam auf den Markt gegangen, haben eingekauft, Zutaten für Rezepte gesucht und dann zusammen gekocht“, sagt Eversmann. Wichtig ist ihm auch, dass die Kinder lernen, mit Geld umzugehen – soweit es ihnen mit ihrer Behinderung möglich ist. „Deshalb haben wir auch nie die Moerser Geschäfte gescheut. Die jungen Leute sollen ein Gefühl dafür bekommen, wie die Welt außerhalb der Schulmauern funktioniert“, so der 65-Jährige. Das Motto der Schule lautet daher auch: „Am Leben lernen – für ein selbstbestimmtes Leben“. In Sportgruppen können sich die 210 Schüler ausprobieren, beim Schwimmen, Fußball spielen, Laufen – das Angebot ist vielfältig. „Sport macht selbstbewusst“, ist sich Eversmann sicher. Das sehe er auch an der Fußballmannschaft der Hilda-Heinemann-Schule, die eine NRW-Landesmeisterschaft gewonnen hat. „Bald dürfen sie zur Finalrunde nach Berlin fahren. Die Jugendlichen sind so stolz und rufen ständig ,Berlin, Berlin!’“, sagt der 65-Jährige. Die Hilda-Heinemann-Schule ist sein Projekt. 1990 hatte er den Wunsch, eine Bildungseinrichtung bei ihrem Aufbau zu begleiten, aktiv an ihrer Entwicklung mitzuarbeiten. Die Chance dazu bot sich ihm in Moers. So wechselte er vom Lehrerseminar in Gelsenkirchen an die Förderschule für Geistige Entwicklung in der Grafenstadt. Zunächst als stellvertretender Schulleiter, zwei Jahre später wurde er Direktor der Bildungseinrichtung. Zu dem Zeitpunkt war das Gebäude noch sehr klein, die Räume winzig und teilweise im Keller – gerade einmal 69 Kinder besuchten die Schule. Er setzte sich dafür ein, alles größer zu machen. 1996 wurde sein Bitten erhört. Doch schon beim Richtfest wurde klar: Es war noch immer nicht genug Platz da, um behindertengerecht arbeiten zu können. Eversmann hat gekämpft: Und er hat sein Ziel erreicht. Heute ist sie behindertengerecht, groß und freundlich. So, wie sie immer sein sollte.

Zum Abschied haben die Kinder eine Skulptur gebastelt: „Unser Superheld“ steht auf ihrem Sockel. Der Superheld hält ein Eis in der Hand. Es ist Eversmann – zu besonderen Anlässen hat er den Kindern immer ein Eis ausgegeben.

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