Moers: Ein Bistro nicht nur für Eingeweihte

Enni Night of the Bands Die Locations : Ein Bistro nicht nur für Eingeweihte

Brigitte Knors hat ihre Bar nicht umsonst „Bistro Insider“ genannt: Trotz der abgeschiedenen Lage ist das Lokal gut besucht. Bei der Enni Night werden dort Oldies und Rockklassiker gespielt.

Als Brigitte Knors (58) noch das „Ambiente“ in der Altstadt gepachtet hatte, saß oft ein älterer Herr an der Bar und erzählte von seinem Lokal am Friedrich-Ebert-Platz. Er sprach davon, wie abgeschieden es sei, und dass sich selten jemand dorthin verirrte. Irgendwann sagte Knors zu ihm, dass er es doch in „Insider“ (englisch für Kenner oder Eingeweihter) umtaufen sollte. Schließlich kenne den Laden kein Mensch.

Einige Monate später übergab der Mann Knors den Schlüssel. Er fühlte sich nicht mehr als Barkeeper, wollte nicht mehr dem Risiko der Selbstständigkeit ausgesetzt sein. „Das Lokal hat er damals in einer Bierlaune übernommen. Die Gäste mussten ihn vorher anrufen, wenn sie kommen wollten – es gab keine geregelten Öffnungszeiten“, sagt Knors. Sie nahm das Angebot des Mannes an. In der Bar am Friedrich-Ebert-Platz würde sie weniger Pacht zahlen als im „Ambiente“. Und die Leute, die regelmäßig zum Feiern und Trinken nach Moers kamen, kannten sie. Seit 1999 hatte Knors in verschiedenen Bars in der Stadt gearbeitet und einige Menschen waren ihr als Stammgäste gefolgt.

Und sie folgten ihr auch zum Friedrich-Ebert-Platz, ins „Bistro Insider“, wie sie das 45 Quadratmeter große Lokal tatsächlich nannte. Damit hier an guten Tagen 70 Leute Platz finden, hat Knors alles „flexibel“ eingerichtet. „Es gibt nichts Schlimmeres als tote Gegenstände. Und hier waren winzige Tische fest in den Boden eingesetzt – die mussten raus, damit Platz ist.“ Stattdessen gibt es nun zwei große Tische mit Barhockern und mehrere Stehtische, aus Bierkästen zusammengebaut, die sie umstellen kann. An den Wänden laden zwei Fernseher zum Formel-1-Schauen ein. Regelmäßig kommt eine Gruppe her, sieht sich die Rennen an, trinkt und feiert. Auf sie kann sich Knors verlassen, für sie macht sie gerne den Laden auf. Genauso wie für den Skatclub oder die Promille Pudel – einen Kegelverein, der nach der sportlichen Einheit gerne im „Bistro Insider“ einkehrt und kühle Getränke genießt.

Die Barkeeperin ist zufrieden mit ihrem „Insider“, den sie nun seit achteinhalb Jahren führt. Meistens steht sie alleine hinter der Bar – von 16 Uhr an, bis der letzte Gast geht. Ihr Mann Frank (54) springt ein, wenn besonders viel zu tun ist, zum Beispiel bei geschlossenen Gesellschaften. Und noch immer ist es so, dass der Laden über Mundpropanda weiterempfohlen wird. Die Lage hat sich schließlich nicht verändert. Doch es läuft viel besser als bei ihrem Vorgänger, sie kann von den Einnahmen leben. Ihre Erfahrung in der Gastronomie, ihr Fleiß und ihr Durchhaltevermögen haben einen entscheidenden Anteil daran gehabt, dass das „Insider“ sich bis heute hält – da ist sich Knors sicher. „Aber am meisten habe ich das natürlich meinen lieben Gästen zu verdanken“, sagt die gelernte Einzelhandelskauffrau.

Zur Enni Night of the Bands wird es bei ihr Rockklassiker und Oldies geben: Matt Warren tritt auf. Sie kenne ja den Geschmack ihrer Gäste. Und diese Musikrichtung gehe immer, versichert Knors. Sie hofft, dass viele Feierwütige den Weg zu ihr finden. Über Erzählungen von den Stammgästen – wie es für einen „Insider“ eben üblich ist.

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