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Moers: Ein Arzt auf den Spuren Bethaniens

Die Reise eines Moersers ins Heilige Land : Ein Arzt auf den Spuren Bethaniens

Seit 20 Jahren ist Christoph Chylarecki am Moerser Bethanien-Krankenhaus beschäftigt. Als er vor kurzem eine private Reise nach Israel plante, stand für den 62-Jährigen ein Ziel fest: Er wollte den biblischen Ort Bethanien besuchen – ein nicht ganz ungefährlicher Plan.

Dr. Christoph Chylarecki ist Bethanier – und stolz drauf. Seit 20 Jahren ist der stellvertretende ärztliche Direktor und Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Moerser Krankenhaus beschäftigt. Diese Zeit habe ihn geprägt, sagt er. Als vor wenigen Wochen eine private Reise nach Israel anstand, stand für den 62-Jährigen deshalb ein Ziel fest: den biblischen Ort Bethanien finden und besuchen – jenen Ort, der mit dem Moerser Bethanien-Krankenhaus über den Namen verbunden ist.

Eine moderne Kirche mit prächtigen Mosaiken wurde in der Nähe der historischen Grabstelle gebaut und Lazarus gewidmet. Foto: Christoph Chylarecki

„Irgendwie habe ich gespürt: Ich muss da hin“, sagt der Mediziner. Das Gefühl war der Beginn einer spannenden, zugleich aber auch nicht ganz ungefährlichen Tour. Von Tel Aviv aus ging es mit dem Leihwagen über die Grenze in palästinensisches Gebiet – in die Zone C des Westjordanlands. „Dort gibt es eine schwer gesicherte Mauer, die von Grenzposten mit schussbereiten Maschinenpistolen bewacht wird“, erzählt Chylarecki. „Man hat uns davon abgeraten, mit einem Auto mit israelischem Kennzeichen rüber zu fahren. Auf Schildern wird davor gewarnt, dass die Einfahrt für israelische Bürger gefährlich ist.“ Die Moerser setzen ihre Fahrt trotzdem fort. Sie wollen nach Bethanien.

„Verschlafen und leicht heruntergekommen“ – so beschreibt der Moerser Mediziner das heutige Al-Eizariya. Foto: Christoph Chylarecki

Übersetzt bedeutet Bethanien so viel wie „Haus der Armut“ oder „Haus der Leidenden“. Im Neuen Testament ist das der Name zweier verschiedener Orte, die erwähnt werden. Am östlichen Ufer des Jordans liegt die Taufstätte Jesu. Das zweite Bethanien – jenes, das Chylarecki sucht – findet sich an der Ostseite des Ölbergs, etwa drei Kilometer von Jerusalem entfernt, in der Nähe der Straße, die nach Jericho führt.

Dieses Bethanien, das später Lazarion genannt wurde und vermutlich dem heutigen Al-Eizariya entspricht, ist Heimatort der biblischen Geschwister Maria, Martha und Lazarus. In Bethanien wurde Lazarus auferweckt und über seinem Grab eine Kirche errichtet. In Bethanien lag auch das Haus Simons des Aussätzigen. Der Esel, auf dem Jesus am Palmsonntag in Jerusalem einzog, stammte aus einem Dorf nahe Betfage und Bethanien. Und irgendwo dort fand auch die Himmelfahrt Christi statt.

Heute leben rund 17.000 Einwohner in Al-Eizariya. Hauptattraktion ist die Lazarus-Grabstätte. Sie wird seit langem von Christen und Moslems gleichermaßen verehrt. „Alles wirkt ein bisschen verschlafen und heruntergekommen“, sagt Chylarecki. „Touristen sieht man selten. Angst ist allerdings kein Gefühl, das ich dort wahrgenommen habe. Der Krieg ist für die Menschen dort zur Normalität geworden. Sie leben mit ihm und sind stolz auf ihr Land.“