Moers: Die Röhre hat jetzt einen eigenen Kneipenchor

Singen in Moers : Die „Röhre“ hat jetzt einen eigenen Kneipenchor

Immer dienstags treffen sich die etwa 20 Sänger im Probenraum der Moerser Kulturkneipe die Röhre. Neue Mitsänger sind immer willkommen.

Annette Kalscheur wollte schon länger gerne singen. Mitsingkonzerte waren ihr Ding, doch die finden nicht jede Woche statt. Eine nette Gemeinschaft und auch mal intensiver an einem Stück arbeiten, das war ihr Wunsch. Gibt es denn am Niederrhein nur Kirchen- oder Gospelchöre? Sie suchte eher einen Chor, in dem sie ihre Lieblingssongs singen kann. „Just for fun“. Nicht so streng. Die Journalistin hatte vom Konzept des Kneipenchors gehört, das vor rund zehn Jahren in Berlin seinen Anfang nahm. Singen und klönen, ohne Anspruch auf eine Bühne zu treten, mit einem Bierchen neben sich auf der Theke.

 Auch Kalscheurs Freundin Bettina Engel-Albustin liebt es zu singen. Im Auto, unter der Dusche, möglichst laut und aus tiefstem Herzen. Wie nahe lag es da, ihren Mann, Kneipen-Wirt Claudius Albustin, um Unterstützung zu bitten. Der hat nicht nur einen Probenraum im Keller, sondern ist auch Vorsitzender des Vereins „Kulturoffensive Moers“, kurz k.o., die im Umfeld der Kneipe „Die Röhre“ Kulturveranstaltungen organisiert und fördert. Seit September trifft sich der k.o.-Kneipenchor jeden Dienstagabend in der „Röhre“. Geleitet wird er von Christopher Schmidt. Der 28-jährige Moerser hat beim CVJM-Chorprojekt „Ten Sing“ mitgemacht, spielt in der Band Chamäleon und steht in der Röhre regelmäßig als DJ an den Plattentellern. Dass er musikalisch ist, wusste er. Dass er einen Chor leiten kann, war ihm neu. „Ich wurde gefragt, ob ich Lust habe mitzusingen“, erzählt „Chris“, „und kurz danach, ob ich mir auch vorstellen könnte, den Chor zu leiten.“ Schmidt hat die Herausforderung angenommen. Hat sich eingelesen. Wie gestaltet man eine Probe? Wie wichtig ist das Einsingen? Und die Königsdisziplin: Wie arrangiert man einen Popsong, für mehrere Stimmen? Auf fertige Notensätze wollte er nicht zurückgreifen. Wie viele andere Hobbymusiker, kann er mit Noten nicht wirklich viel anfangen. Nach Gehör notiert er die Akkorde zum Liedtext und überlegt sich eine Stimme darunter und eine darüber. Zum Lernen der Stimmen singt er die drei Stimmen ein und verschickt sie in die Chor-Gruppe.

„Singen macht einfach glücklich“, stellt Engel-Albustin nach den ersten Proben fest, „nach einem stressigen Arbeitstag gehe ich beschwingt nach Hause. Und auch ein bisschen stolz, dass es schon so gut klingt.“ Bis zu 20 Mitsänger stehen auf der Liste, aber oft kommt nur einer Handvoll davon am Dienstagabend. Kalscheur und Engel-Albustin haben deshalb eine Werbe-Offensive über die sozialen Medien gestartet. Und siehe da: In dieser Woche finden sich zehn neugierige Freizeitsänger an der Weygoldstraße ein. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde und dem Aufwärmen von Körper und Stimmbändern geht es los: „Shallow“ aus dem Film „A Star is born“ mit Lady Gaga. Viele singen zum ersten Mal in einem Chor, einige haben etwas Erfahrung. Geduldig singt Chris die Stimmen immer wieder vor. Mit der Gitarre begleitet er den dreistimmigen Gesang. Es geht lustig und locker zu.

„Ich habe nicht alle Töne, aber nette Leute getroffen“, sagt Viola Stimming den Abend. Und ihre Freundin Nicole Schuck meint: „Es war lustig und hat Spaß gemacht.“ Beide wollen wiederkommen. Und wer weiß, vielleicht gibt der Chor ja in ein paar Wochen sein erstes kleines Kneipen-Konzert. Dazu müssen sie nur eine Treppe höher steigen.