Moers Die Feuerwehr fürchtet Brände

Große Gefahr beim Sommerwetter : Immer mehr brennende Felder

Die Böden sind pulvertrocken. Es gilt die zweithöchste Warnstufe für Feld- und Waldbrände. Die Bauern beklagen Ernteverluste.

Feuerwehrleiter Markus Jansen fährt derzeit besonders aufmerksam durch die Felder rund um Rheurdt. Denn die Böden sind pulvertrocken. Der Deutsche Wetterdienst hat für die gesamte Region die zweithöchste Warnstufe für Feld- und Waldbrände ausgerufen: Dunkelorange. „Momentan muss es nicht einmal eine unachtsam weggeworfene Zigarettenkippe sein“, warnt Jansen. „Es reicht, eine Flasche ins Feld zu werfen.“ Die Scherben würden auf die vertrockneten Gräser wie Brenngläser wirken.

Der Autoclub ADAC warnte auf Nachfrage unserer Redaktion vor einer weiteren, häufig nicht bekannten Gefahr. „Der unter dem Auto befindliche Abgas-Katalysator wird bis zu 600 Grad heiß“, sagte ADAC-Techniker Heinz-Gerd Lehmann. Wer auf dem Weg zum Baggerloch oder Badesee sein Fahrzeug auf trockener Wiese parkt, könnte damit einen Flächenbrand auslösen. Lehmann warnt: „Das kommt immer wieder vor.“ Er rät bei der  Wetterlage, Parkplätze im Gelände zu meiden - auch wenn das einen längeren Fußweg bedeutet.

Seit Mitte Juni zählte allein die Feuerwehr Neukirchen-Vluyn ein halbes Dutzes Feldbrände. Häufig half die Feuerwehr Rheurdt nach Kräften bei der Löscharbeit. Denn wenn eine landwirtschaftliche Fläche in Flammen steht, beginnt ein Großeinsatz für die Retter. Das große Problem ist naturgemäß die Versorgung mit ausreichend Löschwasser. Weil im ländlichen Raum Hydranten rar sind, überbrücken Tanklöschfahrzeuge die ersten Minuten. Dann aber muss - oftmals aus vielen hundert Meter entfernt - weiteres Löschwasser über Schläuche herbeigepumpt werden.

Der Rheurdter Feuerwehrchef Jansen appelliert: „Sobald man in diesen Tagen eine kleine Rauchwolke bemerkt, sollte man diese melden.“ Häufig befürchteten Bürger, sie müssten bei einem Fehlalarm den gesamten Einsatz bezahlen. „Das ist nicht so. Wir fahren lieber einmal vergebens, als einmal zu wenig.“

Und die Bauern? Sie blicken zum Himmel und raufen sich die Haare wegen der launigen Natur. Seit gestern hat Kreisbauer Wilhelm Hellmanns die Gerste in der Scheune. „Wie es scheint, sind wir noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt der Landwirt und meint damit Ernteverluste um die 15 Prozent. Er hatte höhere Ausfälle befürchtet. Weil es insgesamt im vergangenen Vierteljahr zu wenig geregnet hat, stellten Gerste und Weizen das Wachstum schlicht ein. „Beim Weizen könnten wir ein Viertel der durchschnittlich sonst üblichen Menge verlieren“, sagt Hellmanns. Und auch Mais und Kartoffeln leiden unter der Dürre. „Die Beregnungsanlagen, die auf vielen Feldern laufen, sollen die Ernteausfälle lediglich minimieren“, sagt Hellmanns. Verbraucher und Viehbauern müssten sich auf knappere Mengen und damit höhere Preise einstellen.

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