Moers: Die Chance auf ein eigenständiges Leben

Engagement in Moers : Die Chance auf ein eigenständiges Leben

Daniel Giebing hat trotz Leukämie beim sci seine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer absolviert.

Als Daniel Giebing in das Verwaltungsgebäude des „sci:integrationsunternehmens“  am Reitweg kommt, hat er gerade seine Arbeit zu Ende geführt. „Wir haben vorne Bäume geschnitten – und ich durfte den Schnitt mit dem Radlader abtransportieren“, sagt der junge Mann.

 Vor drei Jahren begann der heute 27-jährige seine Ausbildung als Garten und Landschaftsbauer beim sci, die er jetzt Mitte Juni abgeschlossen hat. Seitdem kann er gleichberechtigt mit den anderen neun Kollegen in den Pflegekolonnen und bautechnischen Kolonnen arbeiten.  Dass er mal an den Punkt kommen würde, hätte der Absolvent der Fachoberschulreife am Duisburger Berufskolleg und ehemalige Hauptschüler angesichts der Umstände nicht gedacht. Die Eltern sind getrennt und beide unverschuldet ohne Job. Und selbst leidet Giebing an einer Krankheit, die sein gesamtes Dasein beeinträchtigt: chronisch-myeloische Leukämie.

 Festgestellt wurde die Krankheit „so 2011 oder 2012“, erinnert sich Giebing. Das Ganze führte dazu, dass er „einen langen Ausfall“ hatte, was sich auf Schule und Berufsausrichtung nachhaltig auswirkte „Ich war in Essen in der Uniklinik, bin jetzt langfristig in der Onkologie im Johanniter in Duisburg.“

 Dort hat er mitbekommen, wie viele Ältere an dieser Krankheit leiden. Giebing zeigt sich im Nachhinein „froh“, dass er diese Krankheit im frühen Alter bekommen hat – wenn es denn so sei. „Aber da gibt es noch eine gute Chance, das zu heilen.“

 Als er überlegte, wie es beruflich weitergehen soll, kam Giebing, der viel mit dem eigenen BMX-Mountainbike in den Wäldern unterwegs war,  auf  einen „Job in der Natur“. Ein paar Bewerbungen schickte er raus. „Da aber die Schwerbehinderung nicht geklärt war“, gab es Absagen.

 Da kam dann der sci-Betriebsleiter Lutz Niebaum ins Spiel, den der junge Mann persönlich kannte. „Er trat an die Deutsche Krebshilfe heran, es gab ein paar Auflagen. Und dann konnte ich meine Ausbildung machen.“

 Dass sich das für Giebing so entwickeln konnte, freut Niebaum: „Wir wollen ja Schwerbehinderte fördern.“ Dazu kam noch dessen Motivation: „Ich hatte nicht den Eindruck, dass er sich deswegen abgeschrieben hat oder hängen lässt. Er hatte Bock und war wissbegierig.“

 Jetzt hat der 27-Jährige einen Vertrag bis 2020, muss aber noch den Führerschein machen, „damit er als Geselle mit ein oder zwei Leuten selber eine Baustelle machen kann“, sagt Niebaum.  Ob es darüber hinaus vor Ort weiter geht, muss noch geklärt werden.

 Giebing ist jedenfalls dankbar für die Chance, die Unterstützung durch die Familie, die Kollegen und seinen Chef. „Und alle sind tolerant, wenn es um Arzttermine geht“, sagt er. Das alles „hält mich am Ball“, sagt Giebing. Und es bestätigt sein Denken, dass „sich niemand, dem sowas mal passiert, lange hängen lassen und alles ausprobieren“ sollte. „Machen, bis was klappt.“

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