Chefarzt aus Moers „Gewalt in der Geburtshilfe hat viele Gesichter“

Moers · Institutionell, psychisch, sozial, körperlich: Gewalt an Schwangeren und Gebärenden im medizinischen Umfeld kommt fast überall und täglich vor, sagt Jens Pagels. Die Gründe und warum die Auswirkungen verheerend sein können.

 Nicht wenige Frauen erleben die Geburt eines Kindes als traumatisch – aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Nicht wenige Frauen erleben die Geburt eines Kindes als traumatisch – aus ganz unterschiedlichen Gründen.

Foto: dpa/Britta Pedersen

Seit mehr als 13 Jahren arbeitet Jens Pagels als Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Moerser St.-Josef-Krankenhauses. Wenn es ein Thema gibt, das ihn als Mediziner umtreibt, dann ist es dieses: die Zentralisierung und Ökonomisierung des Gesundheitswesens der Zukunft; und damit einhergehend: der Verlust an medizinischer Individualität und Zugewandtheit. Das, sagt Pagels, äußere sich auch in einem Bereich, den man als Außenstehender im ersten Moment vielleicht nicht sofort versteht – nämlich in der Frage, ob es Gewalt in der Medizin und speziell in der Geburtshilfe gibt. „Meine Antwort darauf lautet ganz klar: Ja, die gibt es! Leider! Sie kommt nicht selten vor und sie hat zudem viele Gesichter.“