Moers: CDU und SPD werden ihren Kern suchen müssen

Kommentar zur Europawahl : CDU und SPD werden ihren Kern suchen müssen

Wir können stolz sein. Stolz darauf, dass die Wahlbeteiligung im Kreis Wesel um satte fast neun Prozent gestiegen ist. Immerhin 61,1 Prozent aller Wahlberechtigten haben letztlich auch ein Kreuz gemacht und in manchen Fällen nicht nur gemeckert, kritisiert, gelobt, gehöhnt oder im schlimmsten Fall alles verteufelt, wie es heute leider allzu oft zu beobachten ist.

In Moers, Kamp-Lintfort, Neukirchen-Vluyn und Rheurdt haben mehr Wähler ihr Votum zu Europa abgegeben. Das ist wichtig, denn es hat in den vergangenen vier Jahren bei Kommunalwahlen und Landtagswahlen schon Werte von weit unter 50 Prozent gegeben. Eine wichtige Aufgabe der Parteien ist es, abseits von Rücktrittsforderungen oder neuen Partiebeschlüssen dafür zu sorgen, dass die Wähler sich für sie interessieren und sie auch bewerten wollen. Mit einem Kreuz bei künftigen Wahlen.

Vor allem viele jüngere Wähler unter 30 Jahren haben offensichtlich immer weniger Interesse an den etablierten Volksparteien wie CDU und SPD. Die SPD in Moers beispielsweise, die sich über Jahrzehnte in der Grafenstadt als natürliche Nummer 1 verstand, wird sich überlegen müssen, warum sie sich jetzt mit CDU und Grünen fast auf Augenhöhe um den Titel „Stärkste Partei“ streiten muss. Auch die CDU mit minus 6,5 Prozent in Moers hat Hausaufgaben zu machen, und wird ihren Kern suchen müssen, um Menschen glaubhaft überzeugen zu können. Gelingt ihnen das nicht, wird das Wort Volksparteien wohl bald der Vergangenheit angehören.

uwe.reimann@rheinische-post.de

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