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Ingo Brohl: "Moers braucht mehr zentrale und sichere Parkplätze"

Ingo Brohl : "Moers braucht mehr zentrale und sichere Parkplätze"

Der CDU-Fraktionschef im Gespräch über die Zukunft des Schlosstheaters, das Weiße Haus und Park-Probleme.

Herr Brohl, Ihr Ratskollege Hartmut Hohmann von der SPD sagt in Bezug auf die Zukunft des Weißen Hauses: "Mit Messing haben wir hier in Moers nichts am Hut!" Wie sehen Sie das?

 CDU-Fraktionschef Ingo Brohl würde das Weiße Haus verkaufen.
CDU-Fraktionschef Ingo Brohl würde das Weiße Haus verkaufen. Foto: Dieker Klaus

Ingo Brohl Das Hohmann-Interview? Sehr blechern! Da sah sich ja bereits der Bürgermeister gezwungen, einiges sachlich richtigzustellen. Es mag so sein, dass wir bislang nichts mit Messing am Hut haben. Mit dem Deutschen Messingmuseum würden wir aber ein Museum von landesweiter Bedeutung nach Moers holen. Als CDU sagen wir: Eine tolle Chance und museale Aufwertung für unsere Stadt, auch durch Skulpturen im schlossnahen Außenbereich.

Das Bündnis für Moers will das Weiße Haus ja bekanntlich nicht verkaufen und in erster Linie als deutlich größere Spielstätte für das Schlosstheater herrichten lassen. Die Verwaltung soll jetzt prüfen, in welcher Höhe Fördermittel zur Verfügung stehen. Wie will die CDU jetzt weiter vorgehen?

Brohl Wir haben einen Gegenvorschlag eingebracht. Die Verwaltung soll verhandeln und klären, unter welchen konkreten Voraussetzungen das Deutsche Messingmuseum nach Moers kommen kann.

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Die Befürchtung des Bündnisses ist, dass der Investor das Museum nur als Vorwand nutzt, um an das Grundstück in bester Lage am Kastellplatz zu kommen und anschließend dort Wohnungen zu errichten ...

Brohl Dieser Vorwand lässt sich aber rechtlich entkräften. Wenn wir verkaufen, wollen wir vertraglich geregelte Rückkaufsrechte - zum Beispiel für den Fall, dass die museale Nutzung wegfällt. Die Position der Stadt klarzumachen, vor allem auch in Bezug auf die Lage am Schloss, ist erste und wichtigste Aufgabe bei den Verhandlungen. Das kann aber kein Argument dagegen sein, zumal der Rat, insbesondere das Bündnis, Peter Werle dieses Grundstück bereits per Option verkauft hatte und zwar auch für eine Wohnnutzung. Die Option hat Herr Werle dann nur nicht gezogen. Daher ist unser Eindruck von der neuen Bündnis-Leidenschaft, dieses Gebäude zwanghaft im städtischen Besitz halten zu wollen, dass hier strukturkonservative Kulturpolitiker innerhalb des Bündnisses versuchen, Impulse von außen zu torpedieren. Dabei ist die Moerser Kulturlandschaft heute das, was sie ist, weil Moers auch immer wieder Neues gewagt hat. Dass ein Neuanfang gut sein kann, sieht man ja zum Beispiel auch an der Personalie Tim Isfort (künstlerischer Leiter des Moers Festivals, Anm. d. Red.). Auch gegen einen solchen Neuanfang haben sich diese Politiker lange gestemmt. Sollten sich SPD, Grüne und Grafschafter mit ihren Plänen für das Weiße Haus und das Terheydenhaus durchsetzen, befürchten wir kein "Millionengrab 2.0" á la Festivalhalle, sondern noch schlimmer: ein "Millionengrab hoch zwei".

Das heißt konkret was?

Brohl Zum einen bezweifeln wir, dass das Schlosstheater das Weiße Haus in der geplanten Größe bespielen kann. Ich wundere mich auch, warum man sich an die Vergrößerung des Theaters - um das es ja am Ende immer geht - klammert, ohne vorher mit der Stadtgesellschaft in den Dialog getreten zu sein. Die Frage ist doch: Wie stellen wir uns das Theater in den nächsten Jahren vor? Was wollen die Moerser?

Zum anderen geht es vermutlich ums Geld ...

Brohl Richtig. Die Stadt Moers gibt jährlich elf Millionen Euro für freiwillige Leistungen aus, neun Millionen davon gehen bereits in den Kultur- und Bildungsbereich. Die Betriebs- und Folgekosten der Bündnis-Pläne sind einfach nicht tragbar oder gehen zu Lasten anderer Bereiche wie Sport oder Wirtschaftsförderung und Marketing. Deshalb bleiben wir dabei: Wegen der zu erwartenden laufenden jährlichen Kosten müssen wir eines der beiden Gebäude abgeben. Wir haben eine Verpflichtung für beide Gebäude und das Gesamtensemble. Das heißt: Was auch immer wir damit anstellen - es muss seriös in Bezug auf die Außenwirkung im Schlossumfeld und den Haushalt sein. Und wir müssen diese Baustellen endlich abarbeiten, damit das Schloss und sein Umfeld seine Magnetkraft und Wirkung ausspielen können.

Die SPD argumentiert unter anderem mit dem Kulturentwicklungsprozess, der seinerzeit von der CDU vorgeschlagen wurde und an dem sich mehr als 200 Bürger beteiligt haben. Vorrangige Botschaft daraus, heißt es, sei es, das Theater abzusichern. Legt die CDU keinen Wert auf das Schlosstheater?

Brohl Im Gegenteil! Die CDU will ein Theater in Moers dauerhaft erhalten. Die Frage ist nur: Was für eins. Auch hier wird jede inhaltliche und strukturelle Debatte durch die strukturkonservativen Kulturpolitiker im Bündnis sofort plattgemacht. Im Kulturentwicklungsprozess haben sich eher die aktuellen Liebhaber mit der Zukunft des Theaters beschäftigt als die Stadtgesellschaft. Als CDU wollen wir das Terheydenhaus für die Zwecke des Theaters sanieren und einen notwendigen, entsprechenden Anbau. Die Werkstatt muss aber nicht unbedingt in unmittelbarer Nähe zum Schloss liegen. Abgesehen davon glaube ich, dass wir in Moers tatsächlich wichtigere Themen haben, die dringend angegangen werden müssen.

Welche?

Brohl Die Entwicklung von Gewerbeflächen oder der Areale zwischen Haagstraße und Kastellplatz und zwischen Königlichem Hof und Trotzburg zum Beispiel. Und das Thema "Parken".

Parken! Die CDU hat Geschäftsleute und Kunden der Innenstadt dazu befragt. Welche Erkenntnis ziehen Sie aus Ihrer Umfrage?

Brohl Dass wir auf jeden Fall mehr Parkplätze in direkter Innenstadtlage brauchen. Die dürfen dann auch ruhig etwas teurer sein, wenn man zum Beispiel dazu in die Tiefe unter den Kastell oder den Neuen Wall geht. Wichtig ist, dass sie komfortabel, sicher und sauber sind.

JULIA HAGENACKER FÜHRTE DAS GESPRÄCH

(RP)