Moers: Blöd, wenn andere anders denken

Unsere Woche : Blöd, wenn andere anders denken

Die Enni hat Chuzpe. Da kriegt sie tagtäglich eins auf den Deckel, weil es in Moers wie Sau aussehe, weil die Stadt im Müll schier versinke und die Enni tatenlos zusehe. Und dann wagt sie es, sich mit einer repräsentativen Umfrage zum Thema Sauberkeit in Moers reinzuwaschen!

Shitstorm nennt man wohl einen Sturm der Entrüstung, wie ihn unser Bericht über die Umfrage auf Facebook auslöste.

Auch für uns Zeitungsleute, die wir die Welt gerne eher schwarz als weiß malen und die Enni gern aufs Korn nehmen, ist es schwer zu schlucken, dass unsere Sicht nicht das Maß der Dinge ist. Aber vielleicht sollten wir es einfach akzeptieren: Die Mehrheit findet, dass Moers eher sauber ist als schmutzig, auch im Vergleich zu anderen Städten. Und die Mehrheit findet, dass die Enni gute Arbeit leistet. Im übrigen hat die Umfrage die Enni ja nicht voll und ganz entlastet: Es gibt Probleme mit Schmutz und Müll, aber mehr in bestimmten Ortsteilen als flächendeckend. Die will die Enni nun zielgerichtet angehen. Warten wir ab, wie’s damit läuft. Für uns Berufsgrantler gibt es noch einen Trost: Immerhin 40 Prozent der Befragten haben spontan gesagt, dass Moers eher keine saubere Stadt sei. Das ist die Minderheit, aber was soll’s – man muss das Glas nur halbleer sehen statt halbvoll, und schon ist die Welt wieder in Ordnung.

josef.pogorzalek@rheinische-post.de

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