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Moers: Bilder von Ingrid Beer im Museum für barrierefreie Kunst.

Kultur in Moers : Bilder, die aus tiefstem Herzen kommen

Unter dem Titel „Zeichnungen ein Leben lang“ zeigt die Künstlerin Ingrid Beer im „Museum für barrierefreie Kunst“ eine Auswahl ihrer Arbeiten. Durch einen Krankheitsfall in der Familie kam sie zum Zeichnen und Malen.

Es ist ihr schönstes Geschenk zum 90. Geburtstag. Die Künstlerfreundinnen der Gruppe Tanedi haben für ihr Gründungsmitglied Ingrid Beer eine eigene Ausstellung organisiert. Drei Wochen lang ist sie nun im M22, dem „Museum für barrierefreie Kunst“ in der Niederstraße 22 zu sehen. Werke aus den vergangenen 40 Jahren werden gezeigt. Zeichnungen, Aquarelle, Acrylbilder. „Ich bin sehr dankbar und hoffe, dass viele Leute kommen“, freute sich die Jubilarin bei der Vernissage am Freitagabend.

Ingrid Beers vielfältiges Werk ist bemerkenswert: In den abstrakten Acrylbildern erkennt man die Liebe der Künstlerin für Farben. Mit kräftigem Strich entstehen Linien und Flächen und ergeben ein harmonisches Ganzes. „Wenn ich anfange, habe ich keine klare Vorstellung. Ich beginne mit einem Untergrund oder mit einer Linie, die zu einer Kontur wird“, erzählt sie. Der Pinselstrich wird in Mischtechnik ergänzt durch Linien mit Kohle oder Graphitstiften. In einigen Bildern sind Gesichter erkennbar, so in dem Bild „Was bleibt vom grünen Leben“.

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Beer interpretiert ihre Werke nicht und möchte auch dem Betrachter nicht vorgeben, wie sie zu verstehen sind, sondern Raum lassen für eigene Sichtweisen. Neben Farben und Formen, deren Ausgangsmaterial die Farben und Strukturen der Natur sind, ist Beer fasziniert von menschlichen Gesichtern und Körpern. Das erkennt man auch an ihren Zeichnungen, unter ihnen zahlreiche weibliche Akte. „Es ist nur eine kleine Auswahl aus einer großen Menge, die ich im Laufe der Jahre gezeichnet habe“, erzählt Ingrid Beer.

Sie wurde 1930 in Wien geboren, wuchs in Amberg in Bayern auf und machte eine Ausbildung zur Metallographin. Im Jahr 1962 kam sie mit ihrer Familie an den Niederrhein, wohnt in Duisburg-Homberg. Eigentlich sei es ein Krankheitsfall in der Familie der Auslöser für ihr künstlerisches Schaffen gewesen, erzählt die agile alte Dame mit den leuchtend blauen Augen. Sie habe zwar immer gewusst, dass sie zeichnen könne, doch erst Anfang der Achtziger Jahre habe sie begonnen Aquarellkurse zu besuchen. Im Urlaub hielt sie dann mit Farben und Pinsel ihre Eindrücke von Landschaft und Architektur fest. Bei Ausflügen am Niederrhein zeichnete sie die schönen Dorfkirchen.

Später baute sie ihr neu entdecktes Talent in professionellen Seminaren an der Fachhochschule in Krefeld und an der Uni Duisburg aus. Ein wichtiger Lehrer war Professor Goppelsröder. Bei ihm belegte sie auch Aktzeichenkurse. Die künstlerische Darstellung des weiblichen Körpers scheint ihr besonders zu liegen. Die Bilder von dahingegossenen Frauen, scheinbar nur mit wenigen Linien angedeutet, haben eine große Ausdruckskraft. Beer erinnert sich, wie der Dozent herumgegangen sei, nur genickt und nichts kritisiert habe.

Seit 1993 besteht die Künstlerinnen-Gruppe „Tanedi“ am Niederrhein. Ingrid Beer ist eines der Gründungsmitglieder. „Es ist ein gute Gruppe, die sich gegenseitig befruchtet und unterstützt“, erzählt die Künstlerin. Eine eigene Ausstellung wie diese sei ohne die Gruppe gar nicht möglich gewesen. In den vergangenen Jahrzehnten waren Beers Bilder bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen zu sehen. Vorstandsfrau Gudrun Kleffebestätigt, dass der Austausch unter den Künstlerinnen ein großer Gewinn sei, gerade auch mit so einer erfahrenen Kollegin wie Ingrid Beer.

Zweimal musste die Ausstellung „Zeichnungen ein Leben lang“ wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Umso freudiger kamen nun Familie, Freunde und Kunstinteressierte zur Vernissage zusammen, kurz vor Beers 91. Geburtstag im August. Das Malen und Zeichnen gehört zu ihrem Leben und bereichert es. Man sieht es den Bildern an, dass ihre Kunst aus tiefstem Herzen kommt. „Es ist mir einfach ein Bedürfnis“, sagte Ingrid Beer.