Moers: Bibis lange Reise bis zur Genesung

Krankenhaus in Moers : Bibis lange Reise bis zur Genesung

Die acht Jahre alte Bibi Hawa aus Nordafghanistan wird im St.-Josef-Krankenhaus in Moers behandelt. Das Mädchen wurde mit Hilfe des Vereins „Kinder brauchen uns“ nach Deutschland transportiert. Wegen einer Knochenentzündung musste sie operiert werden. Die Kosten übernimmt das Krankenhaus.

„Sie kann schon auf Deutsch bis zehn zählen“, sagt Kader Deniz, Gastmutter der achtjährigen Bibi Hawa aus Nordafghanistan. Das Mädchen wurde mit Hilfe des Vereins „Kinder brauchen uns“ (KBU) nach Deutschland in das St.-Josef- Krankenhaus transportiert und dort behandelt. Wegen einer Osteomyelitis, einer Knochenentzündung, musste sie vom Knie bis zum Hüftgelenk operiert werden. Die Kosten übernimmt das Krankenhaus komplett, bestätigt Geschäftsführer Ralf H. Nennhaus.

Die Achtjährige wurde nach einem Sturz in einem Krankenhaus in Afghanistan behandelt. Nach einer nicht näher dokumentierten Operation, vermutlich mit mangelnder Hygiene, kam es zu einer schweren Entzündung des nicht verheilten Bruchs. „Die Verhältnisse in den Operationssälen, die ich gesehen habe, sind katastrophal. Fenster waren kaputt, und in einem Ventilator über dem Operationstisch nistete eine Taube“, sagt KBU-Vorsitzende Markus Dewender. Zunächst fuhr Bibis Onkel mit ihr zur 250 Kilometer entfernten Hauptstadt Kabul in eine staatliche Kinderklinik. Auch dort konnte man ihr nicht helfen; der behandelnde Arzt kontaktierte Dewender. Er organisierte den Transport nach Deutschland, die Behandlung und den Aufenthalt von Bibi in einer Gastfamilie. Ihre Familie durfte nicht mit einreisen, da die Möglichkeit einer Einwanderung durch Asylbeantragung nicht erlaubt wird.

Vor einer Woche wurde die zweistündige Operation mit Erfolg von Chefarzt für Orthopädie und Traumatologie Michael Jonas und Oberarzt Benjamin Weidle durchgeführt. „Nach einer Eingewöhnungszeit haben wir Bibi vergangene Woche operiert. Der infizierte Knochen musste aufgebohrt und ausgespült werden. Es ist keine einfache Behandlung und führt in schweren Fällen zu einer Amputation“, sagt Jonas. Entdeckte Problemkeime müssen weiterhin behandelt werden, ergänzen die behandelnden Ärzte. Derweil trägt Bibi einen Fixateur aus einem Carbonring mit Drähten, die in den Knochen führen. Er soll eine Fehlstellung ihres Oberschenkelknochens korrigieren.

Bibis Gastfamilie lebt in Aldenhoven bei Aachen und wurde durch eine Netzwerkgruppe der KBU auf ihre Situation aufmerksam. „Als ich ihr Bild sah, schlug mein Herz direkt für sie“, sagt Gastmutter Deniz, die Lehrerin an einem Berufskolleg in Aachen ist. „Ich habe noch nie ein unterernährtes Kind gewaschen. Das führte mir vor Augen, wie gut wir es haben und wie viel Ungleicheit herrscht“, ergänzt sie. Die Kommunikation funktionierte auch durch Gesten und mit Hilfe des Dolmetschers Hotak Siddiquallah, trotz Sprachbarriere. „Bibi weiß genau, was mit ihr passiert und freut sich über die Hilfe“, sagt Siddiquallah.

In ein oder zwei Monaten kann Bibi zu ihrer Familie zurück kehren, nachdem der Fixateur ambulant entfernt werden kann. „Die familiäre Bindung ist sehr stark und Bibi freut sich, zurück zu kommen“, sagt Dewender. Die Nachversorgung in ihrem Heimatland übernimmt der Arzt, der den Kontakt zu Dewender herstellte.

„Ich habe viel Glück im Leben und möchte Bibi gerne etwas davon abgeben. Vielleicht erinnert sie sich zurück und macht die Welt ein Stück besser“, sagt Deniz.

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