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Moers: Alfred Schroeter musiziert für seine Frau im Park des St.-Josef-Krankenhauses

Vor Krankenhaus in Moers : 82-Jähriger trompetet für seine todkranke Ehefrau - jeden Tag

Jeden Nachmittag erklingt eine Trompete im Park des St.-Josef-Krankenhauses in Moers. Alfred Schroeter spielt für seine krebskranke Frau, die er zurzeit nicht so besuchen darf wie früher.

Seit dem 25. März liegt seine Frau Edelgard auf der Palliativstation des Krankenhauses. Die 83-Jährige ist an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt. „Meine Frau hat sich gegen eine Chemotherapie und Operation entschieden“, erzählt Alfred Schroeter. „Mit der Musik möchte ich ihr eine kleine Freude bereiten.“

Bereits seit 59 Jahren sind die beiden verheiratet und haben in dieser Zeit viele Höhen und Tiefen gemeinsam durchgestanden. Ausgerechnet am Hochzeitstag, dem 25. März, kam Edelgard auf die Palliativstation des St.-Josef-Krankenhauses.

Edelgard Schroeter befindet sich wegen einer schweren Erkrankung in der Palliativstation des St.-Josef-Krankenhauses, wegen der Coronakrise sind die Besuchszeiten stark eingeschränkt. Ihr Mann erfreut sie mit einem Musikstück auf der Trompete. Foto: Christoph Reichwein (crei)

In Zeiten von Corona gilt in den Krankenhäusern ein Besuchsstop, um sowohl Patienten als auch das Krankenhauspersonal vor einer Infektion zu schützen. Und auch auf den Palliativstationen können Angehörige die Patienten aktuell nur noch eingeschränkt sehen. Lediglich eine Stunde täglich kann Alfred Schroeter derzeit gemeinsam mit seiner Frau verbringen. Diese kurze Zeit verbringen die beiden sehr intensiv, es wird viel miteinander geredet.

Außerdem bringt Alfred Schreoeter regelmäßig Briefe von Verwandten und Freunden aus aller Welt mit, auch Post von Freunden aus Sri Lanka war dabei, und liest sie seiner Frau vor. Am Ende der kurzen Besuchszeit geht der 82-Jährige in den Krankenhauspark, packt sein Instrument aus und spielt einige Stücke auf der Trompete, um sich damit von seiner Frau zu verabschieden – bis zum nächsten Tag.

Das Repertoire reicht von Chorälen, klassischen Stücken bis hin zu Volksliedern. Mittlerweile gibt es viele Patienten, die sich auf die tägliche Musik freuen. Wenn die Trompete erklingt, öffnen viele die Fenster und hören zu, nach jedem Lied wird applaudiert. „Neulich kam eine Frau auf mich zu und überreichte mir eine Grußkarte. Darauf bedankte sie sich für die Musikeinlagen und fragte, ob ich nicht mal das Lied ‚Wer nur den lieben Gott lässt walten‘ spielen könne. Diesem Wunsch bin ich natürlich gerne nachgekommen,“ so Schroeter.

„Die Musik und unser Glaube haben in unserem Leben immer eine große Rolle gespielt und spenden uns auch jetzt in dieser schwierigen Zeit sehr viel Trost. Bei allem Leid sollten wir auch immer die Freude teilen“, erzählt der Duisburger. Seit 68 Jahren spielt er Trompete und Posaune. „Mit 14 Jahren, damals lebte ich noch in Hüttenheim, habe ich mir das Spielen selbst beigebracht.“

Erst im Erwachsenenalter nahm er Unterricht, absolvierte verschiedene Prüfungen und gründete vor 48 Jahren den Posaunenchor Rumeln. Außerdem leitete er viele Jahre den Kreisverband. In Rumeln-Kaldenhausen leben die Schroeters noch heute. Bei zahlreichen Gelegenheiten musizierte Schroeter in all den Jahren. „Eine meiner Trompeten habe ich eigentlich immer dabei“, berichtet der Musiker. „Und wenn ich spiele, war und ist es immer auch für meine Frau.“

Der größte Wunsch der Eheleute ist es, dass Edelgard noch einmal nach Hause kommen kann. „Ich habe zu Hause alles vorbereitet, ein Krankenbett ist bereits aufgebaut,“ erzählt Alfred Schroeter. Und wenn der Wunsch in Erfüllung gehen sollte, wird er sicher auch dort täglich für seine Frau auf der Trompete musizieren.

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