Moers: Ärger um Eltern-Taxis in Rheinkamp

Ärger um regelmäßigen Autoverkehr: Rheinkamp: Eltern-Taxis sorgen für Ärger

Am Schulzentrum werden Schüler regelmäßig bis vor die Tür der Gesamtschule und des Gymnasiums kutschiert. Eine Mutter und die Polizei warnen vor gefährlichen Situationen.

Für Maja Preuß ist es nur eine Frage der Zeit, bis „irgendwann mal etwas passiert“. Seit den Sommerferien besuchen ihre Zwillinge die fünfte Klasse der Anne-Frank-Gesamtschule. Seither vergeht kein Schulbeginn-Morgen am Schulzentrum Rheinkamp, an dem die Mutter nicht vor Unverständnis über das Verhalten mancher Eltern die Hände über dem Kopf zusammen schlägt.

„Richtig grenzwertig wird es ab kurz vor acht“, sagt Preuß. „Da chauffieren Mütter und Väter die Kinder regelmäßig direkt bis vor die Tür der Gesamtschule und des Gymnasiums, obwohl dort gar keine Haltemöglichkeiten vorgesehen sind und es einen großen Parkplatz gibt. Es wird rücksichtslos kreuz und quer geparkt, und manchmal, wenn die eigenen Kinder heil abgeladen sind, einfach losgefahren, ohne nach rechts und links zu schauen. Schüler müssen sich um die Autos herum schlängeln, um in die Schule zu kommen, an Tempo 30 hält sich dort niemand.“ Fakt oder rein subjektives Empfinden?

Die Polizei sagt jedenfalls, sie habe den Bereich rund um das Schulzentrum vor allem zu Schuljahresbeginn und in der dunklen Jahreszeit verstärkt im Blick. Als Unfallschwerpunkt sei die Kopernikusstraße zwar nicht bekannt, heißt es. Nichts desto trotz würden vor den Schulen regelmäßig Geschwindigkeiten kontrolliert und Autofahrer angesprochen. „Dass der Bereich individuell als gefährlich wahrgenommen wird, ist gut nachvollziehbar“, sagt eine Polizeisprecherin.

Dahinter steht ein Problem, das selbstverständlich alles andere als Moers-exklusiv ist: Elterntaxis vor Schulen und Kitas, die für Verkehrschaos sorgen; Autos, die über Verkehrsinseln oder den Gehweg fahren und Schulbusse umkurven: Vor vielen Schulen spielen sich morgens chaotische Szenen ab. Für Kinder seien das unübersichtliche und gefährliche Situationen, sagt die Polizei. Und auch Maja Preuß findet: „Im Grunde haben Eltern mit ihrer Sorge vor Verkehrsunfällen Angst vor etwas, das sie auch selbst mit verschulden.“

Das Deutsche Kinderhilfswerk und der Verkehrsclub Deutschland haben deshalb jetzt für andere Wege zur Schule geworben. Ob zu Fuß, mit dem Roller oder auf dem Fahrrad – im September seien bundesweit rund 60.000 Kinder aus mehr als 2000 Schulklassen bei den Aktionstagen bewusst ohne Elterntaxi zur Schule gekommen, teilten die Organisatoren mit. Neben Bewegung und Umweltschutz ging es dabei vor allem auch um mehr Eigenständigkeit für Kinder. Denn eine Selbstverständlichkeit ist der eigene Weg zur Schule schon lange nicht mehr.

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Tatsächlich wird laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage unter Eltern ein Fünftel der Grundschüler in Deutschland mit dem sogenannten Elterntaxi quasi bis in die Pausenhalle chauffiert. Das seien rund doppelt so viele wie früher, heißt es. Oft herrsche bei Müttern und Vätern eine Mischung aus Sorge vor Verkehrsunfällen, Übergriffen auf ihre Kinder und auch Bequemlichkeit vor.

„Seit die Schulbezirksgrenzen weggefallen sind, werden deutlich mehr Schüler mit dem Auto befördert“,  bestätigt auch Stadtsprecher Thorsten Schröder. „Wir müssen dem Rechnung tragen, indem wir Gefahrenzonen entschärfen und zur Sicherung des Schulweges beitragen.“ Die Stadt Moers hat für ihre Grundschulen deshalb vor drei Jahren ein Schulwegsicherungskonzept aufgestellt. In einem Pilotprojekt haben die Asberger Eschenburgschule  und die Eichendorffschule in Meerbeck unter anderem Hol- und Bringzonen für private Fahrzeuge erhalten, um das von „Elterntaxis“ verursachte Verkehrschaos zu entzerren. „Die werden auch angenommen“, sagt Schröder. Das Projekt soll auf andere Grundschulen in Moers übertragen werden.

Für das Schulzentrum Rheinkamp hat Maja Preuß schon mal vorgeschlagen, für die kritische Zeit am Morgen freiwillige „Parklotsen“ abzustellen, die den Bereich unmittelbar vor den Schulen freihalten. „Das könnten Schüler, Lehrer oder Eltern sein“, sagt sie. „Bislang ist mein Vorschlag allerdings auf taube Ohren gestoßen.“

Fazit: Problem ungelöst

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