Moers: Messingmuseum will ins Weiße Haus

Moers: Messingmuseum will ins Weiße Haus

Der Investor i-consult will am Kastellplatz Europas größte Messingssammlung unterbringen. Derweil lässt das Bündnis für Moers von der Verwaltung Fördermöglichkeiten für einen Eigenumbau prüfen.

Es wäre nicht irgendein Museum - es wäre das bundesweit einzige seiner Art. Das Deutsche Messingmuseum könnte demnächst in Moers ein Zuhause finden: am Kastellplatz, im Weißen Haus. Wie berichtet, gibt es drei Investoren, die das historische Gebäude (Baujahr 1841/42) erwerben möchten. Das Konzept des Rheurdter Architekten Jochem Bellinger sieht unter anderem ein Restaurant mit Außengastronomie, Büros und Kulturräumen vor. Investor Peter Werle schlägt eine Wohnnutzung zum Schlosspark hin vor, 120 Quadratmeter Fläche im Erdgeschoss sollen für eine öffentliche Nutzung zur Verfügung stehen. Derweil will die Marketing- und Management-GmbH i-consult aus Viersen, die hinter dem Projekt "Deutsches Messingmuseum" steht, einen neuen Ausstellungsort mit Strahlkraft schaffen. Bislang ist das Museum lediglich eine Sammlung - allerdings mit Bedeutung.

Seltenes Messingobjekt: 13-flammiger Leuchter von Bruno Paul. Foto: Deutsches Messingmuseum/Knud Schöber

"Wir haben es hier mit der größten Messingsammlung in Deutschland und Europa zu tun", sagt Sprecher und Kurator Knud Schöber. "Die Objekte werden seit 20 Jahren in Sonder- und Wanderausstellungen gezeigt und sind durch verschiedene Sammler in den vergangenen 40 Jahren zusammengetragen worden." Dokumentieren sollen sie Zeitgeschehen - vom Mittelalter bis zum Bauhaus.

Der Blick vom Schloss auf das Weiße Haus nebst parlamentarischem Trakt heute. Foto: i-consult

"Spezialmuseen sind auf dem Vormarsch", sagt Schöber. "Die Stadt kann damit nur gewinnen, weil sie nicht auf Steuergeld zugreifen muss. Und sie erhält ein Alleinstellungsmerkmal, denn dieses Museum ist einzigartig."

Zukunftsvision: Das Messingmuseum im Weißen Haus mit neuem Anbau. Foto: i-consult

Messingobjekte aus fünf Jahrhunderten sollen demnach als ständige Ausstellung im Erdgeschoss und im oberen Stockwerk des Weißen Hauses gezeigt werden. Geplant ist ein Ergänzungsbau, in dem unter anderem ein Forschungsinstitut für Kupferlegierung untergebracht wird. "Die erste Etage wird vermietet beziehungsweise gewerblich genutzt", sagt Schöber, der auch Projektleiter bei i-consult ist. "Das dient der Gegenfinazierung des Museums."

Vertraglich festgehalten und damit garantiert werden, so Schöber, soll die Nutzung des weißen Hauses als Ausstellungsgebäude über 20 Jahre. "20 Jahre sind in einem solchen Zusammenhang eine wirklich lange Zeit. Wirtschaftlich ist das eigentlich überhaupt nicht darstellbar. Wir machen das, weil wir davon überzeugt sind, dass Moers der perfekte Standort für das Deutsche Messingmuseum ist."

  • Moers : "Deutsches Messingmuseum" möchte ins Weiße Haus ziehen

Verwaltung und CDU befürworten einen Verkauf. Das Bündnis für Moers aus SPD, Grünen und Grafschaftern hingegen will, dass das Gebäude-Ensemble mit Schloss, Weißem Haus, Terheydenhaus und ehemaligem Landratsamt in jedem Fall in städtischem Eigentum bleibt. Das, heißt es in einem entsprechenden Antrag an den Stadtrat, sei unverzichtbare Grundvoraussetzung, um die Gestaltungshoheit am historischen Zentrum der Stadt nicht zu verlieren. Um ausgehend von dieser Grundhaltung eine verantwortungsvolle Entscheidung treffen zu können - und unter Bezug auf die seinerzeit in Aussicht gestellte Städtebauförderung von 80 Prozent für das Weiße Haus - werde die Verwaltung deshalb aufgefordert, in Erfahrung zu bringen, in welcher Höhe Städtebaufördermittel, Denkmalförderung und Kulturförderung für zwei Nutzungsvarianten gesichert sind und welche Betriebskosten bei den jeweiligen Varianten anfallen.

Variante eins sieht das Theater im Terheydenhaus (ohne Anbau) und im Weißen Haus vor - bei Abriss des parlamentarischen Trakts. Die geschätzten Investitionskosten lägen bei circa 4,2 Millionen Euro: Drei Millionen würde der Umbau des Weißen Hauses inklusive Abriss und Erweiterung kosten. Hinzu kämen rund 1,2 Millionen Euro für den Umbau des Terheydenhauses. Die Spielstätte des Schlosstheaters könnte so auf 60 Plätze erweitert werden. Variante zwei plant mit der Nutzung des Weißen Hauses inklusive parlamentarischem Trakt durch das Schlosstheater. Auch das Standesamt soll dort einziehen, während MoersMarketing ins Terheydenhaus wechselt. Geschätzte Investitionskosten: rund 6,9 Millionen Euro - 5,7 Millionen für den Umbau des Weißen Hauses, 1,2 Millionen für die Sanierung des Terheydenhauses. Die Spielstätte des Schlosstheaters könnte so auf 150 Plätze erweittert werden, Provisorien wären nicht mehr nötig.

Schlosspark, Musenhof, Rosengarten, das Schloss mit dem Grafschafter Museum, die Wall- und Grabenanlage und die Altstadt seien erlebbare Zeugnisse der Moerser Geschichte, argumentiert das Bündnis. Heute seien sie Anziehungspunkt für viele Besucher vom gesamten Niederrhein und weit darüber hinaus.

"Damit", heißt es in der Antragsbegründung, "ist unser kulturelles Erbe ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor unserer Stadt (...) Das vielfältige Kulturangebot wie Schlosstheater und Museum, bald auch die Angebote im Alten Landratsamt und das neugestaltete Schlossumfeld mit einer neuen Open-Air-Veranstaltungsfläche bilden für die Innenstadtentwicklung ein Potenzial, das bei weitem nicht ausgeschöpft ist, sondern große Perspektiven eröffnet, bis hin zur Weiterentwicklung der Altstadt in Richtung des Kastellviertels".

(RP)