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Mercator-Berufskolleg in Moers: Kandidaten stellen sich Schülerfragen

Am Mercator-Berufskolleg in Moers : Bundestagskandidaten stellen sich Schülerfragen

Sechs Direktkandidaten, vier Themenkomplexe: Ulle Schauws, Kerstin Radomski, Jan Dieren, Hauke Finger, Sebastian Schubert und Michael Terwiesche haben gemeinsam diskutiert. Wer welche Standpunkte vertritt, was am Ende fehlte.

Wer steht wie zu welchen Zukunftsthema? Wo gibt es inhaltliche Unterschiede, wo Gemeinsamkeiten? Knapp eineinhalb Wochen vor der Bundestagswahl haben sechs Direktkandidaten des Wahlkreises Moers, Neukirchen-Vluyn, Krefeld-Nord das Mercator-Berufskolleg besucht, um vor und mit Schülerinnen und Schülern zu diskutieren. Fragen zu den Themenschwerpunkten Umwelt und Klima, Wirtschaft und Finanzen, Migration und Integration, Arbeit und Soziales hatten die Klassen vorbereitet. Lehrer Markus Blensekemper führte durch die Diskussion. Kollegin Anne Markmann sorgte für die entsprechende Organisation.

Angetreten waren die  Bundestagskandidatinnen und -kandidaten Ulle Schauws (Grüne, MdB), Kerstin Radomski (CDU, MdB), Jan Dieren (SPD), Hauke Finger (AfD), Sebastian Schubert (Linke) und Michael Terwiesche (FDP). Schulleiter Oliver Wolf und Markus Blensekemper appellierten an die Fairness in der politischen Auseinandersetzung wie auch dafür, zur Wahl zu gehen. „Es geht keiner für euch wählen. Und wer nicht geht, kann auch für die nächsten vier Jahre nicht mehr meckern“, so Blensekemper.

Umwelt und Klima Beim Thema Umwelt und Klima und der Frage nach CO2-Reduzierung mit regionalem Bezug waren sich die Politiker über den Ausbau von erneuerbaren Energien, ÖPNV und Bahn sowie einer klimaneutralen Energieversorgung einig. Jan Dieren will dabei die Unternehmen stärker in die Verantwortung nehmen, Ulle Schauws setzt auf Solarenergie, beispielsweise mit Anlagen bei jedem Neubau, die Terwiesche ablehnte. „Umweltschutz muss man freiwillig hinbekommen“, so der FDP-Kandidat. Finger zweifelte zwar den von Menschen gemachten Klimawandel an, setzt aber auf den Ausbau von Umweltschutz und Energieförderung. Er bemängelte, dass es jedoch derzeit kein ausgereiftes Konzept gebe.

Wirtschaft und Finanzen Beim folgenden Wirtschaftsthema drehte sich alles um die Rente, die der AfD-Vertreter neben der privaten Vorsorge mit zusätzlichen Steuermitteln stärken will. Mittel, die durch weniger Einwanderung in die sozialen Systeme zur Verfügung stünden, so Finger. Kerstin Radomski brachte einen Instrumentenmix und einen Fond, in den ab Lebensbeginn eingezahlt wird, ins Gespräch. Terwiesche: „Die Wirtschaft muss brummen.“ Er befürwortet die private wie gesetzliche Vorsorge und als Sicherheit eine Immobilie, während Schauws für Systemveränderung und Bürgerversicherung plädierte. Dieren stellte das Rentensystem in Frage. Schubert ergänzte, dass alle, auch Beamte, in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen sollten.

Migration und Integration Interessant gestaltete sich der Komplex Migration und Integration, den die Schüler an Afghanistan festmachten und den Bogen zu den Flüchtlingsströmen im Mittelmeer schlugen, nach privater wie europäisch gesteuerter Seenotrettung fragten. Kerstin Radomski sieht Möglichkeiten darin, vorab abzuklären, wer überhaupt eine Chance hat, in die EU einzureisen. Terwiesche setzt aus humanitären Gründen sowohl auf private Hilfe wie die der EU.

Arbeit und Soziales Fahrt nahm die Diskussion nochmals auf, als es um das Thema Arbeit und Soziales und die Gleichstellung, Chancengleichheit und Transparenz beim Lohn ging. Frauen seien im Nachteil, wie auch die Wirtschaft mit der Besetzung von Aufsichtsrat und Vorstand zeige, so Schauws. Terwiesche warnte vor der Offenlegung der Löhne, die beispielsweise Schubert im Sinne der Gleichheit forderte.

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Mit zwei Vorurteilen räumte am Schluss Lehrer Blensekemper auf. Berlin ist nicht weit weg, und die Jugend von heute bringt Engagement und neuen Schwung mit die Debatte. Aktuelles wie Corona und Flutopfer fehlten. Unterm Strich bot die Diskussion mit strukturierten Themen- und Frageblöcken eine Fülle an Informationen und unterschiedlichen Standpunkten. „Uns hat allerdings die Zeit für eine richtige Diskussion zum Schluss gefehlt“, so die Meinung von Schülerseite.