Moers: Mehr Menschen nach Moers locken

Moers: Mehr Menschen nach Moers locken

Auch wenn es am Samstag noch einmal richtig voll in der Innenstadt war, gehen die Geschäftleute von leicht rückläufigen Zahlen aus. Das führen sie vor allem auf die steigenden Verkäufe im Internet zurück.

"Die Menschen sind wetterfühliger als früher." Mit diesen Worten beschreibt Christine Reps vom Geschenkartikel-Geschäft "Villa Wölkchen" an der Fieselstraße das Einkaufsverhalten der Niederrheiner. So waren am Donnerstag und Freitag, als es stürmisch und regnerisch war, nur wenige unterwegs, um Präsente für Weihnachten zu kaufen. Am Samstag, der windstill und trocken war, brummte dagegen das Geschäft. "Es war wirklich viel los in Moers", freut sich Christine Reps. "Nach den beiden stürmischen und regnerischen Tagen wollten die Menschen wieder nach draußen."

Insgesamt rechnet sie damit, mit Geschenken, Accessoires und Schmuck, die sie anbietet und die "die Seele braucht", wie sie sagt, mit etwas weniger Umsatz als in den Vorjahren. "Wir bemerken schon eine Veränderung", analysiert sie. "Wir haben weniger Kunden. Das Internet macht sich bemerkbar."

Dieser Analyse kann sich Michael Birr als Geschäftsführer von Moers Marketing anschließen. "Rund zehn Prozent des Einzelhandels laufen heute über das Internet", sagt der 46-Jährige. "Dieser Umsatz fehlt den Geschäften. Das hat sich in den vergangenenJahren bemerkbar gemacht." Denn das Geld, das die Niederrheiner zur Verfügung haben, sei nicht mehr geworden. "Die Nettolöhne sind in den vergangenen Jahren nicht gestiegen", sagt Birr, "sie sind eher leicht rückläufig."

Auch für die kommenden Jahren rechnet er mit weniger Einzelhandelsumsatz in Moers. "Nach Prognosen steigt der Internetumsatz bis 2025 auf 30 Prozent", sagt der Geschäftsführer von Moers Marketing. "Im Internet sind Produkte nicht automatisch billiger, aber vermeintlich schneller verfügbar. Der Internetumsatz geht vor Ort verloren."

Doch er will sich nicht mit dieser Entwicklung abfinden, sondern setzt auf Konzepte, um dagegen zu steuern. Der Grundgedanke dieser Konzepte lautet: "Menschen gucken Menschen." Oder anders ausgedrückt: Wo viele Menschen sind, kommen noch mehr hinzu.

  • Moers : 168 Aussteller auf dem Weihnachtsmarkt

Die vielen Menschen seien nur da, wenn die Aufenthaltsqualität stimme, wie es in der Sprache des Marketings heißt, also wenn Ambiente und Angebot passen. Deshalb ist es ein Ziel, den Weihnachtsmarkt zu verbessern, der jährlich geschätzte 250 000 bis 300 000 Besucher in die Innenstadt lockt. "Wir haben im vergangenen Jahr eine Befragung von gut 100 Personen durchgeführt", berichtet Birr. "Danach hat jeder Besucher 15,50 Euro zusätzlich in der Stadt ausgegeben, zum Beispiel für Kleidung."

Um mehr Besucher zum Markt vor der Kulisse des Moerser Schlosses zu locken, versucht der Moerser Weihnachtsmarktverein, die Anzahl der Stände zu erhöhen, an denen es nicht nur etwas zu Essen und zu Trinken gibt. "Es gibt einen Trend zum Non-Food-Bereich", sagt Dirk Aberfeld als Vorsitzender dieses Verein, durch den der Markt vor der Kulisse des Moerser Schlosses seit 2012 organisiert wird. "Wir sind besser geworden."

Das hängt vor allem mit den flexiblen Hütten zusammen, die von Händlern, Vereinen und Gruppierungen nicht für alle 30 Tage genutzt werden, die der Weihnachtsmarkt dauert.

"2012 waren es 16 flexible Hütten, heute sind es 28", sagt der Aberfeld. "Insgesamt ist die Zahl der Teilnehmer auf 168 gestiegen - bei 90 Ständen."

(got)