Moers: Meerbeck: Senioren bangen um Förderung

Moers : Meerbeck: Senioren bangen um Förderung

Die evangelische Gemeinde in Meerbeck hat das viel gelobte "Nachbarschaftsnetzwerk 55plus" ins Leben gerufen. Experten vergaben für das Projekt Bestnoten. Trotzdem sehen die Senioren die Zukunft ihrer Einrichtung gefährdet.

Der Computerkurs des interkulturellen Nachbarschaftsnetzwerks 55plus der evangelischen Kirchengemeinde in Moers-Meerbeck: Rund 25 Senioren sitzen vor ihrem Laptop und lernen den Umgang mit der neuen Technik. Für das Ehepaar Hermann (73) und Barbara Böttcher (66) ist das kostenlose Angebot unersetzbar — neue Lebensqualität.

"Am Anfang hatte ich Angst vor dem Internet", sagt Barbara. "Jetzt bestelle ich sogar meine Bücher online. " Nach Ansicht der Stadtverwaltung und der Uni Dortmund ist das Netzwerk vorbildlich, weil Teilnehmer dort lernen, sich selbst zu organisieren. Deshalb sollte das Projekt nach einem Vorschlag der Verwaltung die höchstmögliche Förderung von der Stadt erhalten.

Doch seit einigen Wochen bangen die Senioren um ihr Projekt, und das hängt mit einer wohl orchestrierten Protestwelle der Awo zusammen. Drei Einrichtungen der Organisation hätten laut Verwaltung geschlossen werden sollen. Nur dann wäre genug Geld dagewesen, alle übrigen Senioreneinrichtungen voll zu fördern. Denn der Rat der Stadt hatte 2012 beschlossen, die Mittel für die Seniorenarbeit ab 2015 bei 288 000 Euro einzufrieren.

Vor wenigen Tagen aber wartete die Ampel-Kooperation aus SPD, Grünen und FDP mit einem neuen Vorschlag auf: Alle Einrichtungen, also auch die drei von Schließung bedrohten der Awo sollten erhalten bleiben. Zudem sollte eine zusätzliche Begegnungsstätte des SCI gefördert werden.

Die gegenwärtige Ungewissheit trifft die evangelische Gemeinde Meerbeck hart, zumal im Dezember eine dreijährige Förderung der Wohlfahrtspflege NRW ausgelaufen ist. "Wir haben uns fünf Jahre lang bemüht, für die Senioren in Meerbeck Konzepte zu entwickeln, um sie zu unterstützen", sagt Dieter Zisenis, von der evangelischen Kirchengemeinde Meerbeck. Entsprechend erwartet die Gemeinde von der Stadt, dass sie endlich grünes Licht für die volle Förderung gibt. Zisenis sagt aber auch: "Wir dürfen nicht in Konkurrenz stehen zu den anderen Trägern." Die Zusammenarbeit in den Stadtteilen müsse aber deutlich verbessert werden.

In Meerbeck ist das Angebot des Nachbarschaftsnetzwerkes bislang einzigartig: Neben dem Computerkurs gibt es für die Senioren unter anderem Ausflüge, Literaturkreise oder auch Deutschkurse für türkische Immigranten: "Eine 60-jährige türkische Frau traute sich nicht einzukaufen — nicht zum Arzt zu gehen", sagt die Kursbetreuerin Hatice Cengiz, hauptamtliche Projektmitarbeiterin. "Nur zwei Monate später konnte sie alles schon allein", berichtet sie.

Cengiz' Stelle und die des hauptamtlicher Projektkoordinators Wolfgang Angerhausen ist für das Jahr 2014 nur durch einen auf ein Jahr begrenzten Zuschuss der Stadt in Höhe von 10 000 Euro und Gelder des Erwachsenenbildungswerks Nordrhein erhalten geblieben. Heißt: Ab dem Jahr 2015 braucht die Gemeinde für den Erhalt der Stellen Geld — sonst muss das Programm stark zurückgefahren werden.

Die Ampel-Kooperation hat bislang zwar durchblicken lassen, dass sie die Leistungen der Meerbecker Initiative durchaus anerkennt. In einem Antrag, der morgen im Rat eingebracht wird, heißt es aber auch, dass die Arbeit aller Einrichtungen nach zwei Jahren neu bewertet werden solle. Planungssicherheit sieht anders aus.

(RP)
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