Moers: Marschmann: Mitarbeiter aus 15 Nationen

Moers : Marschmann: Mitarbeiter aus 15 Nationen

Der Utforter Maler- und Lackiererbetrieb bekam im Rahmen des Landtagswahlkampfs Besuch von SPD-Minister Rainer Schmeltzer. Aktuell macht der 21-jährige Ghanaer John Kuma eine Ausbildung im Betrieb.

Dass soziales Engagement sich lohnt und die beste Strategie gegen Fachkräftemangel ist, ist feste Überzeugung von Heike und Volker Marschmann. Auch wirtschaftlich sei diese Strategie. Die beiden führen einen traditionsreichen Maler- und Lackiererbetrieb in Utfort mit 80 Mitarbeitern. Dass diese ihre Wurzeln in 15 verschiedenen Herkunftsländern haben, empfindet das Ehepaar ganz und gar nicht als Problem, sondern als Bereicherung.

Reiner Schmeltzer, Minister für Arbeit, Integration und Soziales des Landes NRW besuchte gestern die Firma Marschmann, um sich über Chancen und Herausforderungen im Handwerk zu informieren. In dem Gespräch, zu dem der Moerser SPD-Abgeordnete Ibrahim Yetim eingeladen hatte, stellten die Marschmanns - selbst Sozialdemokraten - ihre Ausbildungsphilosophie vor: Die Auswahl geeigneter Lehrlinge erfolge idealerweise nach einem Praktikum und dem persönlichen Kennenlernen. "Zeugnisnoten spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Wichtig ist, dass der junge Mensch zu uns passt. Dass wir bei einigen etwas mehr Geduld brauchen, nehmen wir gerne in Kauf", erklärte Heike Marschmann. Der 21-jährige John Kuma kam mit 16 Jahren aus Ghana und absolviert nun seit einem Jahr die Ausbildung als Maler und Lackierer in Utfort. "John ist einfach ein toller Mensch", so die Chefin. Durch die "3 plus 2-Regelung" hat er die Chance, als geduldeter Flüchtling die Ausbildung zu beenden und danach weitere zwei Jahre in Deutschland zu arbeiten. Im Deutschen hat er noch Nachholbedarf, deshalb besucht er einmal wöchentlich im Berufskolleg einen Sprachkurs und bekommt außerdem "ausbildungsbegleitende Hilfen" durch einen Sozialpädagogen. Die Firma Marschmann hat noch eine weitere Auszubildende, die besonders unterstützt wird, da sie alleinerziehend mit einem kleinen Sohn ist. "Für die junge Mutter würden wir uns flexiblere Öffnungszeiten in der Kita wünschen, da unsere Arbeit bereits um sechs Uhr morgens beginnt. Für Flüchtlinge wie John könnte die Begleitung in der Berufsschule verbessert werden", merkte Volker Marschmann kritisch an. "Außerdem würden wir uns wünschen, dass das Land unsere Bemühungen noch stärker unterstützt, beispielsweise durch eine teilweise Übernahme der Ausbildungsvergütung."

Minister Schmeltzer zeigte sich beeindruckt von dem Engagement und versicherte, man würde auch im Land daran arbeiten, die soziale Teilhabe zu verbessern und den Fachkräftemangel zu bekämpfen. Eine Initiative sei beispielsweise ein freies Ticket für den Nahverkehr oder die Gebührenfreiheit beim Meisterlehrgang. Auch sei die Einführung von Pflichtpraktika für alle Schulen im Bereich Handwerk, Dienstleistung und Industrie denkbar. Denn, das bestätigte auch Heike Marschmann, die im engen Kontakt mit der Anne-Frank-Gesamtschule steht, die Jugendlichen seien oftmals orientierungslos und könnten am besten durch praktische Erfahrung herausfinden, ob einer der 328 Ausbildungsberufe bzw. 150 Handwerksberufe für sie in Frage komme.

(Rauh)