Moers: Männerchöre singen zum Abschied leise Servus

Moers : Männerchöre singen zum Abschied leise Servus

"Liederkranz Repelen" und "Constantia Baerl" haben nach jeweils deutlich mehr als 100 Jahren ihre Chortätigkeit beendet.

Wehmut schwang bei diesem Konzert mit, als die traditionsreichen Männerchöre, der MGV Liederkranz 1864 Repelen und Constantia Baerl 1885, ihre Stimmen erhoben. Die Chorgemeinschaft eröffnete die kleine Reihe der Kulturkonzerte der Evangelischen Kirche in Rheinberg. Es sollte zugleich ihr letztes Konzert sein, das sie zusammen mit ihrem langjährigen Chorleiter, dem Rheinberger Kirchenmusiker Michael Wulf-Schnieders, gaben.

Schon am Abend zuvor trafen sich die Chöre zu einem Abschiedsessen. Und bei ihrem musikalischen Abschied zogen sie nochmals alle Register. Mit ihrem Programm, das die pralle Bandbreite ihres Könnens zeigte, setzten beide Chöre den Schlussakkord. Die vertrauten Lieder erklangen. Auf eine musikalische Reise ging es unter anderem nach Rüdesheim, nach New York und ins Paradies. Mit ihrem Chorleiter hatten sie einen würdigen Abschied vorbereitet, um mit dem "Frohen Sängermarsch" zur Landung anzusetzen.

Dabei hatten die Männer aber die Rechnung ohne ihr treues Publikum gemacht - das forderte mit stehenden Ovationen Zugaben. "Ich bin kein Bajazzo" und die Hymne aller Männerchöre - "Aus der Traube in die Tonne" - folgten. Das "leise Servus" und Abschiedsworte gab es ganz zum Schluss, bevor die gestandenen Sänger bewegt und traurig auseinander gingen.

Die Liebe zur Musik hatte sie über Jahrzehnte zusammengeschweißt. Gemeinsam hatten sie Konzerte gestemmt, Proben gemeistert. "Für die beiden Chöre ist es ein schwerer Schritt", sagt Michael Wulf-Schnieders. Oft habe er bei den Proben gemerkt, dass sich das Ende anbahnte. Chormitglieder erkrankten, waren nicht mehr mobil.

Der allmähliche Rückzug begann, auch wenn beide Männerchöre mit dann rund 30 Sängern bei gemeinsamen Proben und Auftritten zusammenrücken. Früher betrat ein Chor alleine mit rund 100 Sängern die Bühne. "Die Entwicklung drückte sich auch in der Stimmung der Sänger aus. Sie merkten, dass sie eine Altersgrenze erreicht hatten, die ihnen ein Stück weit das Leben schwerer macht."

Einige haben sich nun anderen Chören angeschlossen, andere werden den freien Probenabend nun mit Hobbys füllen. Dass der Rückzug in der Chorlandschaft unaufhaltsam ist, muss Wulf-Schnieders immer wieder feststellen. Er arbeitet mit diversen Chören. "Wir verlieren nicht nur traditionelles Liedgut samt der Melodien. Die Chöre repräsentierten ein Stück dörfliche Identität.

Die Sänger haben mit ihrem Chor ihren Ort auf den Bühnen weit im Land bei Konzerten vertreten", sagt der Kirchenmusiker. Der Liederkranz prägte Repelen, genauso wie Constantia Baerl. Nun fehlt ein Stück in der dörflichen Gemeinschaft. Die Löschung im Vereinsregister setzt offiziell den Schlussstein.

(RP)