Kamp-Lintfort: Lintfort sucht Anschluss

Kamp-Lintfort: Lintfort sucht Anschluss

Die Realisierung der Niederrheinbahn samt Bahnhof in der Bergbaustadt gehört zu den wesentlichen Zielen, die die Stadt in den Masterplan "Bergwerk West" geschrieben hat. Jetzt müssen Land und VRR überzeugt werden.

Die Stadtverwaltung hat ihre Hausaufgaben erledigt: Alle nötigen Zahlen sind ermittelt, die notwendigen Gutachten eingeholt und der Infrastrukturbedarf aufgelistet: Jetzt heißt es, im Land Überzeugungsarbeit zu leisten und die Werbetrommel für die seit langem geplante Niederrheinbahn zu rühren, die als Regionalbahn Fahrgäste von Duisburg über Moers bis nach Kamp-Lintfort bringen soll.

Haken: Die Finanzierung für die Ausweitung des SPNV ist nicht gesichert. Kamp-Lintfort hat es mit zwei Entscheidungsebenen zu tun: Der VRR müsste eine Betriebszusage vor allem für die ungedeckten Kosten des Bahnbetriebs machen. Aktueller Stand: "Im VRR-Nahverkehrsplan steht die Strecke als sinnvolle Maßnahme. Es stehen aber derzeit keine Mittel zur Verfügung.

Die Gleise für den Betrieb einzurichten, also die Infrastruktur ist Sache des Verkehrsministeriums", betont Arne Gogol vom Planungsamt. Das Lintforter Vorhaben steht dort allerdings nicht auf höchster Stufe. "Die Situation hat sich aber vor dem Hintergrund der Bergwerksschließung verändert. Unser Ziel ist die Neubewertung des Vorhabens", so Gogol. Gemeinsam mit Duisburg, Moers, Neukirchen-Vluyn und dem Kreis Wesel verfolgt Kamp-Lintfort seit längerem die Anbindung an den Schienenpersonennahverkehr.

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Erste Gutachten aus den Jahren 1998 und 2003 hätten sowohl die wirtschaftliche als auch die betriebliche Sinnhaftigkeit des Vorhabens bestätigt. Heutige Gutachten sehen aber auch in anderen Entwicklungen wie die Ansiedlung der Hochschule, der geplanten Ansiedlung von Logistikunternehmen auf dem Kohlenlagerplatz und die Errichtung des Einkaufszentrums die Chance, die Fahrgastzahlen und die Ausnutzung der Strecke zu erhöhen. Die beauftragen Gutachter, die Büros Rödel & Pachan sowie KCW, haben drei Betriebsvarianten untersucht.

Die Umsetzung aller drei Varianten sei möglich und sinnvoll, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt, die heute die drittgrößte deutsche Stadt ohne Bahnanschluss ist. Entsprechend hoch sei das Fahrgastpotenzial: 3100 Fahrgäste am Tag werden erwartet.

Durch die Hochschule ergebe sich zudem ein Ausgleich zum Berufspendlerverkehr, der zu einer wirtschaftlicheren Auslastung der Züge führe. "Die Umsetzung der Niederrheinbahn wäre ein entscheidendes strukturpolitisches Signal für Kamp-Lintfort", teilt die Stadt mit.

(RP/rl)
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