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Moers: Links ist nicht gleich links

Moers : Links ist nicht gleich links

Im Moerser Rat findet man nur noch Die Linke. Von der Bezeichnung Offene Linke Liste hat man sich 2010 getrennt. Aber OLiLi lebt weiter – und lädt für heute zum Treffen im Bollwerk ein.

Im Moerser Rat findet man nur noch Die Linke. Von der Bezeichnung Offene Linke Liste hat man sich 2010 getrennt. Aber OLiLi lebt weiter — und lädt für heute zum Treffen im Bollwerk ein.

 DKP-Legende Rosemarie Stiffel (li.) und Gabriele Kaenders bei der Wahlversammlung 2009.
DKP-Legende Rosemarie Stiffel (li.) und Gabriele Kaenders bei der Wahlversammlung 2009. Foto: Kaenders

Es ist nicht ganz einfach, in der linken politischen Szene in Moers den Überblick zu behalten. Seit 1999 sind die Linken kontinuierlich und mit wachsenden Stimmanteilen im Rat vertreten — aber immer wieder unter wechselnden Namen. Lange dominierte das drollig klingende Kürzel OLiLi (Offene Linke Liste) den Namen — seit vergangenem Jahr setzt man gezielt auf den auch bundes- und landesweit eingesetzten Namen Die Linke. Doch OLiLi lebt weiter — und lädt für heute Abend ins Bollwerk ein.

Mit Latzhose und Sparvorschlag

Die Geschichte der Moerser Ratsfraktion Offene Linke Liste/ Die Linke geht auf den 21. Oktober 1998 zurück. An diesem Tag trafen sich Mitglieder der PDS, der DKP und parteilose Linke und gründeten die "PDS/Offene Linke Liste Moers". Der parteilose Dirk Hooymann zog bei der Kommunalwahl 1999 als Einzelkämpfer in den Moerser Rat ein. Mit Auftritten in roter Latzhose sorgte er für Furore und reizte seine Ratskollegen mit dem Vorschlag, der Rat könne beim Sparen selbst mit gutem Beispiel vorangehen — und auf Sitzungsgeld verzichten.

2004 holte die Offene Linke Liste dann 1542 Stimmen (3,62 Prozent) und bekam zwei Ratssitze. Dirk Hooymann blieb im Rat, Gabriele Kaenders kam als Nachrückerin dazu. Bundespolitisch kam dann Bewegung in die Szenerie. Um mit der im Westen erfolgreichen Protestpartei WASG verschmelzen zu können, wurde aus der PDS zunächst die Linkspartei. Beide fusionierten dann 2007 zur Linken, ein Schritt, der auch in Moers vollzogen wurde — mit dem Zusatz OLiLi, was der Kreispartei nicht gefiel.

Doch auch bei der vergangenen Wahl in 2009 trat OLiLi/Die Linke an. 14 Wahlbezirke wurden mit Kandidaten besetzt, die nicht Mitglied der Linken sind. Als nun 2010 die Konzentration auf Die Linke beschlossen wurde, flogen hinter den Kulissen die Fetzen. Die DKP-Mitglieder oder Parteilosen wollten weiter mitreden und verwiesen auf den gemeinsamen Wahlerfolg, der 2258 Stimmen (5,53 Prozent) diesmal drei Mandate gebracht hatte. In der Folge stellten Aktive wie Dirk Hooymann oder Wolfgang Klinger die Mitarbeit ein.

Während die Moerser Linke gerade eng mit der CDU zusammenarbeitet, um ein Abwahlverfahren gegen Bürgermeister Norbert Ballhaus zu erreichen, versucht die OLiLi mit Klinger und Hooymann, über regelmäßige Treffen politische Akzente zu setzen. Mit Themen wie dem Einsatz gegen rechts und einem Sozialbündnis für Moers versucht man, "alle linken Kräfte zu bündeln", wie Wolfgang Klinger gestern erläuterte. Während dabei besonders DKP-Mitglieder einbezogen werden, tun sich alle linken Gruppen wiederum mit der MLPD schwer. Die marxistische Partei, die in Moers vor allem durch Michael May bekannt wurde, der bereits über drei Millionen Euro aus seinem Erbe an die MLPD spendete, ist in Neukirchen-Vluyn unter dem Namen NV AUF geht's im Rat vertreten. "Eine Tarnorganisation", so Gabriele Kaenders. Die MLPD trete ungern bei Wahlkämpfen unter dem eigenen Namen an.

Wolfgang Klinger ist übrigens immer noch Mitglied bei den Linken — engagiert sich aber derzeit lieber an seinem Zweitwohnsitz im Münsterland.

(RP/url)