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Lesung in Moers: Zadek, Hamlet und der Proben-Wahnsinn

Lesung in Moers : Zadek, Hamlet und der Proben-Wahnsinn

Burgschauspieler Klaus Pohl liest am Donnerstag im Schlosstheater Moers aus seinem Buch „Guten Morgen, liebster Prinz“. Eine Hommage ans Theater und seine Schauspieler.

„Wer Hamlet spielen will, ist schon mal schlecht besetzt“: Klaus Pohl erinnert sich noch gut daran, wie Regisseur Peter Zadek 1999 diese Parole für seine Hamlet-Inszenierung ausgab. Schauspielerin Angela Winkler wollte Hamlet nicht spielen und war damit für Zadek die beste Besetzung. „Zwei Mal ist sie vor der Rolle und vor Zadek geflohen“, erinnert sich Schauspieler und Dramatiker Pohl. Er spielte damals Horatio. „Angela Winkler, die als Katharina Blum spektakulär war, hatte wohl Angst vor der Rolle. Sie fühlte sich nicht richtig besetzt.“ Pohl erzählt diese und weitere Geschichten rund um den „Proben-Wahnsinn“ zu Peter Zadeks zweiter Hamlet-Inszenierung in seinem Buch „Guten Morgen, liebster Prinz“. Am Donnerstag, 14. März, 19.30 Uhr, blickt er im Schlosstheater auf diese turbulente Zeit zurück. In der Lesung bietet er einen Blick hinter die Kulissen des Theaterbetriebs und vermittelt die Leidenschaft, mit der Schauspieler für ihre Rollen und für ihren Beruf brennen. Dazu gehörte auch Ulrich Wildgruber. Er hatte in den 1970er Jahren Hamlet in Zadeks gefeierter Bochumer Inszenierung gespielt, nun war er als Polonius besetzt, der königliche Oberkämmerer. „Er hielt es für falsch, dass eine Frau diese Rolle übernimmt.“ All das hat Klaus Pohl in seinem Theatertagebuch festgehalten und jetzt – 20 Jahre später – neu aufgeschrieben.

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„Ich habe das Probentagebuch damals für den Stern geführt. In den Proben fielen so tiefkomische, aber auch wunderschöne Sätze, die ich einfach festhalten musste“, sagt Pohl verschmitzt und erzählt, dass bei Zadek alle immer das große Spektakel erwartet hätten. „Und nicht zuletzt fordert Hamlet ja Horatio auf: Erzähl Du, wie es gewesen ist. Das habe ich damals in meiner Rolle getan und jetzt als Autor in meinem Buch noch einmal“, betont der Künstler, der seit 2000 Mitglied des Wiener Burgtheaters ist und heute sowohl in Wien als auch in New York lebt. „Ich konnte meine beiden beruflichen Seiten ausleben – als Schauspieler und Autor.“ Klaus Pohl erinnert sich gerne an diese Zeit zurück. „Alle Schauspieler haben sich mit großer Intensität mit dem Stück auseinandergesetzt. Die Proben waren in Straßburg, danach sind wir drei Monate auf Gastspielreise gewesen.“

Neben Pohl, Winkler und Wildgruber gehörten auch Otto Sander, Uwe Bohm und Eva Mattes damals zum Ensemble des bekannten Regisseurs. Klaus Pohl, Jahrgang 1952, hat mit den „Großen“ der deutschen Theater- und Filmszene gearbeitet. Er war am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Thalia Theater, am Schauspielhaus Zürich, am Schauspiel Köln und am Wiener Burgtheater engagiert. Als Dramatiker wurde er unter anderem mit dem Gerhart-Hauptmann-Preis ausgezeichnet. „Ich habe immer schon geschrieben, erzählt Pohl im Gespräch mit dem Grafschafter. „Und ich kenne keinen Dramatiker, der nicht auch Schauspieler ist.“ Am Moerser Schlosstheater stand er zwar noch nie auf der Bühne, ein Unbekannter ist er dort aber nicht: Sein Stück „Hunsrück“ kam 1987 nur einen Tag nach der Uraufführung in Bremen im Schlosstheater zur Premiere.

Das Buch „Guten Morgen, liebster Prinz“ soll im Herbst 2020 erscheinen, etwas früher das Hörbuch, das während einer Lesung live aufgenommen wurde. Über die positive Resonanz, die er bislang auf sein Werk erhielt, freut Klaus Pohl sich sehr: „Bruno Ganz, der leider im Februar starb, sagte zu mir, es sei die schönste Liebeserklärung ans Theater überhaupt.“