Moers: Lesung begeistert Gesamtschüler für die Edelweißpiraten

Moers: Lesung begeistert Gesamtschüler für die Edelweißpiraten

Mehrere Deutschkurse aus den achten und neunten Klassen der Anne-Frank-Gesamtschule haben bei einer Lesung mit dem Jugendbuchautor Dirk Reinhardt diskutiert. In "Edelweißpiraten" beschäftigt sich Reinhardt mit den gleichnamigen Jugendbanden im Ruhrgebiet in der NS-Zeit. Seine Figuren sind frei erfunden, doch was sie tun, haben reale Edelweißpiraten tatsächlich getan, erzählt er.

Die Lesung ist Teil eines Deutschprojekts der Lehrerin Janina Pfeiffer zum Thema Widerstand. Die Schüler haben Reinhardts Buch gelesen und werden ins auch im Roman vorkommende EL-DE-Haus nach Köln fahren, wo während der Nazizeit die Gestapo Menschen verhört und gefoltert hat und sich heute die NS-Dokumentationsstelle Köln befindet. "Es ist ein wichtiges Thema, das oft zu kurz kommt", sagt Pfeiffer.

Der Autor beginnt mit einem Vortrag über die historischen Edelweißpiraten: Zuerst seien sie unpolitische Jugendliche gewesen, die ihre wenige Freizeit nicht in der Hitlerjugend (HJ) verbringen wollten. "Die HJ war eine Zwangsveranstaltung", sagt Reinhardt, und "wer nicht hinging, wurde verhöhnt, verspottet, geschlagen". Die Kinder, die stur blieben, hätten sich zu Banden zusammengeschlossen, mit der HJ als "Erzfeind", erklärt er. Nach Prügeleien wurde die Polizei aufmerksam, schließlich versuchte die Gestapo, die Edelweißpiraten in die HJ zu pressen, sagt Reinhardt. Erst dadurch hätten die Jugendlichen "ein politisches Bewusstsein entwickelt". Sie verteilten Flugblätter, malten Parolen an Hauswände, manche Gruppen brachten Nachschubzüge für die Wehrmacht zum Entgleisen, erzählt der Autor. Reinhardts Geschichte spielt in Köln-Ehrenfeld, seine Figuren sammeln Flugblätter der Engländer ein und stecken sie nachts in Briefkästen. Der Ich-Erzähler lässt die Zuhörer nah an die Geschehnisse heran.

(alli)