Moers: Lehrer nehmen Nachhilfe im Kochen

Moers: Lehrer nehmen Nachhilfe im Kochen

Pädagogen von 13 Moerser Grundschulen haben gestern am Projekt "Ich kann kochen" teilgenommen. Als Genussbotschafter geben sie ihr Wissen an die Schülerinnen und Schüler weiter.

Fanz Liebert, Geschäftsführer des SCI Moers , bringt es schnell auf den Punkt: Die Gemeinschaftsverpflegung in Grundschulen im Offenen Ganztag und Kindergärten schmeckt nicht jedem. Der SCI, zuständig für die verlässliche Halbtagsbetreuung beziehungsweise die Offene Ganztagsbetreuung an fünf Schulen, kennt die Knackpunkte. "Das Essen wird zu früh, zu spät geliefert, ist verkocht, schmeckt nicht oder serviert Gemüse, das den Kindern unbekannt ist", fasst Liebert in der Mensa der Regenbogenschule Meerfeld die Kritik zusammen, die Eltern, Kindern oder Erziehungskräfte äußern.

Der SCI rückte das Thema einer vollwertigen Ernährung in den Mittelpunkt und lud Lehrkräfte der Moerser Grundschulen zur Fortbildung ein. "Die Resonanz ist groß", sagt Liebert. 13 Grundschulvertreter nahmen teil. Mit im Boot: die Initiative "Ich kann kochen", die von Sterneköchin Sarah Wiener ins Leben gerufen wurde, wie auch die Barmer Krankenkasse. Rund 70 Milliarden Euro kostet die Behandlung von ernährungsbedingten Erkrankungen. Die Sarah-Wiener-Stiftung will bundesweit zehn Prozent aller Kitas und Grundschulen im Bereich Ernährungsbildung fit machen, mehr als eine Million Kinder erreichen. Die Aufgabe der "Genussbotschafter" ist denkbar einfach, wie Liebert erläutert: "Sie sind Multiplikatoren. Kinder erlernen gesundheitsförderliches Verhalten." Beispielsweise sei der grüne Brokkoli bei Kindern unbeliebt, anders als der weiße Blumenkohl, obwohl beide miteinander verwandt sind. In Koch- und Ernährungsprojekten lasse sich praktisch arbeiten, gepaart mit Infos zu den Lebensmitteln und Rezepten der Stiftung.

Stefan Brandel, Küchenmeister und Ernährungsberater, gehört als Dozent zur Stiftung. Er vermittelt angehenden Genussbotschaftern das Know-how. Beispielsweise, wie leckeres Essen mit saisonalen wie regionalen Zutaten gelingt. "Wir machen sogar Ketchup selber", so Brandel. Hektische Arbeitswelten und besondere Familiensituationen bestimmen den Lebensrhythmus. Das häusliche Leben mit gemeinsamen Mahlzeiten, gekocht aus frischen Zutaten, komme zu kurz. Tischgemeinschaften und das Gespräch fehlten ebenfalls. "Uns geht es darum, Vorbilder zu pflegen", so Brandel.

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Nach Prinzipien der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist das Projekt ausgerichtet. Gesund kochen, heißt, Industriezucker reduzieren, auf Fertigprodukte verzichten, Alternativen anbieten, um den eigenen Geschmack zu trainieren. Also weg von Aromen, Geschmacksverstärkern und hin zu natürlicher Süße, die Obst bieten kann. "Die Kinder sind begeistert und werden vermutlich ihre Eltern begeistern", so Brandel. Zu den erklärten Projektzielen gehört unter anderem, gesunde Ernährungsgewohnheiten im Kita-, Schul- und Familienalltag zu verankern. Dass Projekte von diesem Format bei Groß und Klein ankommen, bestätigt Stefanie Coßmann, Leiterin Offener Ganztag. PEB, Kürzel für Profis für Ernährung und Bewegung, hat Grundschulkindern der Regenbogenschule für den Zusammenhang Essen und Bewegung fit gemacht.

www.sarah-wiener-stiftung.de www.ichkannkochen.de

(sabi)
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