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Moers: Landeskirchen-Archiv lagert jetzt in altem Meerbecker Gotteshaus

Moers : Landeskirchen-Archiv lagert jetzt in altem Meerbecker Gotteshaus

Nach einjähriger Umbauzeit hat die Evangelische Kirche im Rheinland die ehemalige Johanneskirche gestern ihrer neuen Bestimmung übergeben. Acht Kilometer Stahlregale füllen das Kircheninnere.

Ein Gang durch die ehemalige Johanneskirche ist nichts für Klaustrophobiker. Eng an eng stehen dort bis zu 9,80 Meter hohe Regale aus Stahl. Die einstige Kirche der evangelischen Gemeinde Meerbeck dient jetzt der Evangelischen Kirche im Rheinland als Archivmagazin. Gestern ist es offiziell in Betrieb genommen worden.

"Die erhabene Atmosphäre eines Kirchenraums ist verschwunden", sagte gestern Pfarrerin Barbara Weyand. Zusammen mit Mitgliedern der Gemeinde und anderen Gästen - darunter Präses Rekowski und der ehemalige Moerser Superintendent Ferdinand Isigkeit - ließ sie sich von Archivdirektor Stefan Flesch das Archivdepot zeigen. Die Gemeinde musste sich aus Kostengründen von ihrer Kirche trennen. Das sei natürlich schwer gefallen, erinnerte sich die Pfarrerin. Schließlich hatte die Gemeinde 50 Jahre lang in der Kirche Gottesdienste gefeiert. "Aber als die Leute hörten, dass die Kirche als Symbol im Stadtteil erhalten bleibt, waren sie beruhigt."

Das äußere Bild der Johanneskirche ist unverändert geblieben. Foto: EKIR/Büro Kölsch & Maliska

Tatsächlich ist die Johanneskirche äußerlich die alte geblieben. Und der "brennende Dornbusch" - die verglaste Front über dem Eingang, die früher den Innenraum bei Sonneneinstrahlung bunt einfärbte - brennt weiter: Das Fenster wird nun bei Dunkelheit von innen beleuchtet und wirkt von der Straße aus sehr schön. "Wir haben uns dafür bei der Landeskirche eingesetzt. Und sie hat sogar die Kosten für die Beleuchtung übernommen", sagte Barbara Weyand.

Die Evangelische Kirche im Rheinland hat die Johanneskirche erworben und umgebaut, weil ihr zentrales Archiv in Düsseldorf aus allen Nähten platzt. 1,4 Millionen Euro hat die Landeskirche in den Umbau investiert. "Die Technik ist beeindruckend", erläuterte gestern Architektin Gudrun Gotthardt, Leiterin des Baudezernats beim Landeskirchenamt. Rauchmelder, Blitzschutz, Einbruchsschutz, Lüftung zählen zu den Vorkehrungen gegen Brände. "Feuer ist der größte Feind des Archivs." Der zweitgrößte sei Wasser. "Eine Sprinkleranlage gibt es nicht, sonst würden Akten bei einem Fehlalarm vernichtet."

Nach Moers lagert das Düsseldorfer Archiv Bestände aus, die neueren Datums sind und eher selten genutzt werden: Verwaltungsakten, theologische Examensarbeiten, Vereinsunterlagen und Ähnliches. Eine Digitalisierung all dieser Archivalien wäre viel zu teuer. Welche Bestände genau in Meerbeck untergebracht sind, steht im Internet unter www.archiv-ekir.de. Lesen kann man die Dokumente aber nur in Düsseldorf. Einmal wöchentlich wird ein Mitarbeiter nach Moers kommen und gewünschte Akten holen, beziehungsweise andere bringen. Ansonsten bleibt das Depot an der Bismarckstraße verschlossen.

Das Magazin ist auf die Zukunft ausgelegt. Knapp ein Viertel der insgesamt acht Kilometer langen Regale auf vier Etagen ist bislang belegt. "Auf einem Meter ist Platz für 10.000 Blätter", sagte Archivdirektor Flesch. So biete die Johanneskirche eine "strategische Reserve" für rund 30 Jahre.

(RP)