„Lachen braucht keinen Dolmetscher” im IKM

„Lachen braucht keinen Dolmetscher” im IKM

Senay Düzcü hat ihre Wurzeln in der Türkei. Später zog sie von Düsseldorf nach Köln. Das Ergebnis: interkulturell gültiger Humor.

Frauen lachen anders als Männer und Türken anders als Deutsche, dennoch, da ist sich Senay Düzcü sicher, braucht "Lachen keinen Dolmetscher". Die 39-jährige Kölnerin ist eine der ersten Frauen mit türkisch-armenischen Wurzeln auf Deutschlands Kabarettbühnen und versteht sich dabei nicht nur als Humorbotschafterin zwischen den Geschlechtern, sondern auch zwischen den Kulturen.

Da passte ihr Auftritt gestern im Internationalen Kulturkreis Moers (IKM) gleich doppelt gut, denn eigentlich hatte Senay Düzcü dort schon Anfang März zum Weltfrauentag gastieren sollen, was dann aber wegen Terminüberschneidungen auf den gestrigen Sonntag, den letzten Tag der vom 11. bis zum 24. März in Deutschland begangenen Antirassismuswochen, verlegt werden musste.

Dabei stellte sie sich ihrem überwiegend aus weiblichen Besuchern bestehenden Publikum schon zur Begrüßung entsprechend zweigleisig vor: "Ich bin Türkin und Deutsche, und manchmal auch beides gleichzeitig. Deutsche Frauen finden ihr eigenes Hinterteil meist schön, und das der Türkinnen groß. Ich finde mein Hinterteil schön groß." Und wenn sie gefragt werde, was eine echte Deutschtürkin sonst noch ausmacht, antworte sie gerne: "Zu spät zur Arbeit und pünktlich in den Feierabend."

Dennoch gebe es selbst nach fast 40 Jahren in Deutschland für sie hier noch einige ziemlich gewöhnungsbedürftige Sitten und Gebräuche. Zum Beispiel die Entführung der Braut während der Hochzeitsfeier: "Wer in der Türkei die Braut entführt, muss sie anschließend behalten." Oder die Angst des deutschen Mannes, sich beim Flirten einen Korb einzuhandeln: "Südeuropäische Männer sind wahre Korbträger." Und was überhaupt soll es bedeuten, dass man mit deutschen Männern Pferde stehen kann? Das sei doch mindestens ebenso kriminell, wie mit einem Polen zusammen ein Auto zu stehlen.

Natürlich gab es in Senay Düzcüs fast 40-jähriger deutscher Sozialisation auch inzwischen für sie schwer verständliche türkische Sitten. Was bitte soll eine unverheiratete Türkin mit einem Studienabschluss in Architektur heute in Deutschland noch mit einer Aussteuer anfangen, in der es sogar Unterhosen für ihre Schwiegermutter gibt? Und wie entgeht man bei einem Besuch im elterlichen Heim den ungebremsten mütterlichen Kochkünsten, oder auf einer türkischen Hochzeit der Konversation mit Hunderten von unbekannten Gästen? "Mit Humor", lautete Senay Düzcüs Antwort, und noch besser mit den drei typischen deutschen Sätzen: "Hals- und Beinbruch." "Es wird schon schief gehen." Und: "Freu' dich bloß nicht zu früh!"

Das gut einstündige Kabarettprogramm im IKM-Haus wurde begleitet von dem Duisburger Percussion-Musiker Baytekin Serce.

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