Kamp-Lintfort: Kunstschaufenster zeigt eine Position zur Welt

Kamp-Lintfort : Kunstschaufenster zeigt eine Position zur Welt

Die Trierer Künstlerin Doris Kaiser stellt ab heute Abend ihre Arbeiten in der Kamp-Lintforter Galerie Schürmann aus. Die Bildhauerin nennt ihre Wand- und Bodenobjekte Wahrnehmungsschärfer.

Doris Kaiser mag den Duft des Tons. "Es ist immer ein besonderer Moment, wenn ich eine Packung aufreiße. Der Geruch hat irgendwie was Erdiges", betont die Künstlerin aus Trier, die ab heute das Kunstschaufester in der Galerie Schürmann mit ihren Arbeiten bestückt. Andreas Verfürth, Inhaber der Galerie an der Moerser Straße, präsentiert in dieser neuen Ausstellung Kunst, die er selbst besonders mag: monochrome Objekte und Reliefs, denen eine gewisse Zurückgenommenheit und Strenge innewohnen. Bildhauerin Doris Kaiser beschreibt ihre Arbeit, die durch die klare und geometrische Formensprache zu charakterisieren ist, als eine Gegenposition zur Welt. "Sie ist bunt. Das muss ich nicht wiederholen", erläutert Doris Kaiser, die 1999 den Künstlerinnenpreis des Landes Nordrhein-Westfalen erhielt.

Ihre Kunstwerke nennt sie Wahrnehmungsschärfer – und das zurecht. Wer nur den flüchtigen Blick auf die Arbeiten wirft, erkennt lediglich einen Raum voller weißer Objekte aus Ton und Gips. Schattierungen, Mulden, Unebenheiten, Linien nimmt er kaum wahr. "Meine Arbeiten haben eine Strenge, aber es ist viel Leben drin", sagt Kaiser, die Andreas Verfürth durch einen anderen Künstler kennengelernt hat, der bei ihm ausgestellt hatte. "Dirk Salz und ich, wir haben denselben Galeristen", erzählt die Künstlerin.

Die geometrische Formensprache bringt die Künstlerin mit ihrem Interesse an der Architektur in Verbindung. "Sie umgibt uns, beeinflusst unser Leben durch das Spannungsfeld von innen und außen. Und das möchte ich in meinen Arbeiten thematisieren." Doris Kaiser kommt aus Trier, hat an der Ecole des Artes et Métiers gelernt und an der Hochschule Niederrhein studiert. Seit 1988 arbeitet das Mitglied des Westdeutschen Künstlerbundes als Bildhauerin. Worin sich Doris Kaiser unterscheidet, ist die Wahl ihrer Materialien. Sie bringt Gips und Ton miteinander in eine seltene Verbindung. "Es ist ein Dialog der Materialien." Ein persönliches Ereignis im Rahmen eines Stipendiums an einem europäischen Werkzentrum habe sie zu dieser ungewöhnlichen Kombination gebracht.

"Ich stand sozusagen unter dem Druck zu arbeiten. Und so kam es dazu, dass ich den ,lebendigen' Ton in Gips eingeschlossen habe", beschreibt die Bildhauerin ihre heutige Vorgehensweise. Für sie steht das Tonfeld in ihren Arbeiten für die menschliche Existenz. "Der Ton ist plastisch, formbar, aber hat seine Grenzen. Wenngleich ihre Arbeiten wirkten, als sei sie geplant, entstünden sie prozesshaft, betont Kaiser.

Wichtig ist ihr, dass sich der Betrachter gedanklich mit ihren Boden- und Wandobjekten auseinandersetzt, dem Weg des Lichts folgt, das ermöglicht, immer wieder ein neues Bild zu sehen, die Bewegung erkennt, die dem statischen Objekt innewohnen zu scheint. Und das Raumerlebnis empfindet. www.galerie-schuermann.de

(RP)