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Kunst in Moers: Anne Schary wagt das kleinere Format

Kunst in Moers : Anne Schary wagt das kleinere Format

Die Moerser Künstlerin mit Atelier am idyllisch gelegenen Abteiplatz in Kamp-Linfort zeigt ab heute in der Moerser Kulturkneipe „Die Röhre“ 18 Bilder, die in diesem Jahr entstanden sind. Ein Künstlergespräch ist am 15. September.

Einmal im Jahr verlässt die Kunst das Atelier von Anne Schary auf dem Kamp-Lintforter Abteiberg und geht auf Reisen: Ab heute präsentiert die Künstlerin 18 neue Bilder in ihrer Heimatstadt Moers. Unter dem Titel „Das kleinere Format“ lässt Schary den Betrachter an ihrer Auseinandersetzung mit Formen, Farben und Techniken teilhaben. Ausstellungen an anderen Orten sind ihr wichtig: „Ich möchte mich einfach aus der Gesamtheit meiner Bilder auf nur eine Gruppe konzentrieren und diese durch eine andere Hängung und vor einem anderen Hintergrund in Szene setzen“, sagt Schary. „Hier in der Röhre ist es das Taubenblau der Wand.“ In der Ausstellung sind kleine und bislang weitgehend unbekannte Arbeiten der Künstlerin zu sehen. Mit 40 mal 40 Zentimetern sind diese zwar gar nicht mal so klein. „Für meine Verhältnisse aber schon“, erzählt Schary im Gespräch mit der RP.

Alle Bilder sind 2019 entstanden und das Ergebnis einer künstlerischen Weiterbildung. „Für mich ist die Teilnahme an Seminaren wie das Lernen neuer Vokabeln für die Fremdsprache. Ich verbessere meinen Wortschatz und meine Ausdrucksmöglichkeiten. Das gilt auch für die Kunst. Das Gelernte fließt in die weiteren Arbeiten ein“, erläutert sie. Das „kleinere Format“ besticht aber nicht allein in den neuen Arbeiten der Künstlerin und Goldschmiedin. Auch die Farbwelt ist für sie eher ungewöhnlich: Erstmals verwendet sie Neon-Farben. „Früher habe ich mich gefragt: Wer kauft den solche Farben? Tja, ich kaufe solche Farben und ich war schockverliebt.“ Leuchtend blitzen Pink, Gelb und Orange in den Bildern hervor. Sie nutzt das Neon nicht plakativ, sondern untermalt und setzt Akzente. Das Motiv ist auf Linie und Strich reduziert, und dennoch entstehen vor dem Auge des Betrachters Blume, Baum und Figur. Und hier findet sich auch der Anknüpfungspunkt zu Anne Scharys Thema in der Kunst: der Baum, als Mandala, abstrahiert, aber mit Stamm. „Die neuen Arbeiten sind das, was vom Baum-Thema geblieben ist“, sagt sie. Die Bilder sind voller Leben und Bewegtheit. „Fast schon tänzerisch“, findet Schary selbst. „als ob der Samen aus den Blüten herausspringt.“

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Für sie sind es Mikrokosmen, die auf dem Papier Neues entstehen lassen, sagt sie. Titel gibt sie ihren Bildern nicht. „Ich möchte niemanden vorgeben, was er in den Arbeiten sehen soll. Ich halte es mit Ernst Schumacher: Er hat gesagt, dass ein Bild erst dann fertig ist, wenn es einen Betrachter gefunden hat.“

Eine Ausnahme gibt es in der Ausstellung aber schon: Es ist die kleine Serie, für die die Künstlerin mit in Alkohol gelösten Pigmenten und flüssigem Lack gearbeitet hat. Dadurch sind wasserähnliche Strukturen entstanden, in denen Kleinstlebewesen zu schwimmen scheinen: männliche Wasserflöhe und Pantoffeltierchen zum Beispiel. Ihnen hat Schary lateinische Namen geben.

„Das hat großen Spaß gemacht“, erzählt die Künstlerin. Alle Bilder, die bis zum 29. September in der Moerser Röhre zu sehen sind, hat Schary übrigens selbst gerahmt. Dazu hat sie entspiegeltes Museumsglas verwendet. „Weil es die Farbkraft nicht schmälert.“ Anne Schary, die sich in diesem Jahr einer neuen Künstlergruppe in Kamp-Lintfort angeschlossen hat, hat bereits 2015 in der Röhre ausgestellt.