Moers/Neukirchen-Vluyn: Kreis Wesel zahlt nun wieder Taxikosten für Behinderte

Moers/Neukirchen-Vluyn: Kreis Wesel zahlt nun wieder Taxikosten für Behinderte

Erfolg für RP-Bürgermonitor: Familie Hackstein ist wieder mobil. Kreis korrigierte eine Fehlentscheidung.

Erfolg für den Bürgermonitor der Rheinischen Post: Der Kreis Wesel korrigiert eine Entscheidung und hat sich bei der betroffenen Familie Hackstein entschuldigt. Auch in diesem Jahr dürfen die Hacksteins mit ihrer an Multipler Sklerose erkrankten und dadurch im Rollstuhl sitzenden Tochter Simone 480 Kilometer kostenfrei fahren. Das haben gestern sowohl die Familie als auch der im Kreishaus zuständige Sachbearbeiter gegenüber der Rheinischen Post bestätigt. Der Zeitungsartikel habe auf eine Fehlentscheidung hingewiesen, hieß es.

Mehr noch: Irene Hackstein (71) berichtete, dass sich der "sehr freundliche" Verwaltungsmitarbeiter aus Wesel bei ihr Tipps geholt habe, wie die Stadt Moers die Sache mit den Fahrtkosten gehandhabt hatte, bevor die Zuständigkeit 2016 an den Kreis Wesel überging: "Da konnte ich ihm einiges erzählen", sagte Irene Hackstein und freute sich sehr darüber, dass sie nun mit Ehemann Ingo und ihrer 48 Jahre alten Tochter Simone wieder mobil ist.

Die Vorgeschichte:

  • Kreis Wesel : Ausstellung der Moerser Palette im Kreishaus Wesel

Der Kreis Wesel hatte die bisher gewährten Fahrten für behinderte, stationär in Heimen untergebrachte Menschen zum Jahresbeginn ersatzlos gekappt. Nach Angaben des Vorsitzenden des Moerser Behindertenbeirats, Karl Rudolf Slavernik, waren davon zwischen 50 und 100 Personen allein in Moers betroffen. Auch sie dürfen nunmehr auf eine Korrektur hoffen. Künftig soll die Fahrtkostenbeihilfe erst entfallen, wenn Menschen in einem Heim gepflegt werden und über 65 Jahre alt sind.

Zu den Betroffenen gehörte Simone Hackstein, die in einem Moerser Heim lebt, aber täglich von ihren Eltern besucht und auf Ausflüge mitgenommen wird. In den zurückliegenden zwei Jahrzehnten ist die Krankheit schlimmer geworden. Sie kann nur stark eingeschränkt sehen, nicht sprechen. Doch was um sie herum vorgeht, bekommt sie mit. "Wenn bei einem Konzert alle klatschen, geht Simone mit dem linken Arm begeistert mit", berichtet ihre Mutter Irene Hackstein.

Solche Glückmomente wurden 2018 rar. Denn: "Fahrtkosten zur Sozialen Teilhabe" wurden vom Kreis Wesel nur noch zuhause gepflegten Behinderten gewährt. Heimbewohner gingen leer aus. Ohne Taxigutscheine für 480 Kilometer pro Jahr entfielen der Ausflug zu den Tanztagen in Rheinhausen, zum Rockkonzert in Kappeln oder der Besuch des Lieblings-Friseurs in Repelen. All das ist wieder möglich, weil sich der Kreis den RP-Bürgermonitor zu Herzen nahm.

(RP)
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