1. NRW
  2. Städte
  3. Moers

Kreis Wesel alarmiert Ersthelfer per "Corhelper"-App

Unterstützung für öffentlichen Rettungsdienst : Kreis Wesel alarmiert Ersthelfer per App

Über die App „Corhelper“ können sich Ersthelfer ab sofort registrieren und den öffentlichen Rettungsdienst unterstützen. Wie das System funktioniert und warum es im Zweifel Leben retten kann.

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Um die Zeit zwischen der Alarmierung und dem Eintreffen des Rettungsdienstes zu überbrücken, gibt es im Kreis Wesel jetzt die Ersthelfer-App „Corhelper“. Das Prinzip ist einfach: Wer helfen möchte, registriert sich über die App und wird nach Überprüfung der Voraussetzungen freigeschaltet. Kommt es zu einem Notruf, der auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand hinweist, wird der Corhelper über die Kreisleitstelle automatisiert parallel zum Rettungsdienst alarmiert. Nimmt der Ersthelfer die Alarmierung an, leistet er so lange Erste Hilfe, bis der Rettungsdienst eintrifft. Wichtig ist: Die registrierten Corhelper sind kein Bestandteil des öffentlichen Rettungsdienstes, sondern agieren unterstützend.

„Im Kreis Wesel gibt es viele engagierte Bürgerinnen und Bürger, deren wertvolle Unterstützung durch die App jetzt gezielt eingesetzt werden kann“, sagt Landrat Ingo Brohl. „Die Ersthelferinnen und Ersthelfer stärken die Rettungskette parallel zum sehr gut aufgestellten Rettungsdienst im Kreis Wesel.“ Lars Rentmeister, Vorstandsmitglied für den Bereich Sicherheit und Ordnung, ergänzt: „Ein plötzlicher Herzkreislaufstillstand kann jederzeit und an jedem Ort passieren. Deshalb ist es so wichtig, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren und vorzubereiten. Jeder und jede kann und sollte im Notfall helfen können.“

  • Im Kreis Heinsberg sind schon weit
    Notfall-Ersthelfer : So rettet eine neue App im Kreis Heinsberg Menschenleben
  • Wiederbelebungstraining auf dem Marktplatz.⇥Archivfoto: DRK
    Leben retten : Ersthelfer schulen auf dem Wochenmarkt
  • Die Niederrheinhalle in Wesel wird Standort
    Corona-Schutzimpfung : Wie es ab Oktober im Kreis Wesel weitergeht

Ein „Corhelper“ der ersten Stunde ist der 57 Jahre alter Moerser Detlef Dünte. Dünte, der für die FDP im Gesundheitsausschuss des Kreises sitzt und gelernter Fachkrankenpfleger für Intensiv- und Anästhesiemedizin ist, erfuhr früh von der neuen Anwendung und war sofort Feuer und Flamme. „Ich war von der Idee sofort begeistert“, sagt er. Denn im Krankenhaus habe er auf verschiedenen Ebenen schmerzhaft erfahren müssen, was alles passieren kann, wenn Erste Hilfe nur ein paar Minuten zu spät am Einsatzort geleistet wird. „Es zählt immer jede Minute, egal ob Schlaganfall oder Herzinfarkt.“

Als einer der ersten im Kreis durfte Dünte die „Corhelper“-App, die er zudem als gelungenes Beispiel für die Verknüpfung von Digitalisierung und Gesundheitsschutz betrachtet, ausprobieren. Nun will er mehr Menschen motivieren, selbst Ersthelfer per App zu werden.

Wer sich als Corhelper registrieren möchte, muss volljährig sein und einen Erste-Hilfe-Lehrgang im Umfang von mindestens neun Unterrichtseinheiten innerhalb der letzten 24 Monaten absolviert haben. Die Hilfsorganisationen im Kreis Wesel bieten regelmäßig entsprechende zertifizierte Kurse an, dort besteht eine enge Zusammenarbeit mit dem Kreis Wesel. Helferinnen und Helfer, die bereits über eine berufliche Qualifikation verfügen und dort Reanimationsmaßnahmen durchführen, können sich einfach mit ihrer Qualifikationsurkunde online registrieren. Außerdem muss die kostenlose App auf dem Smartphone installiert sein und Zugriff auf den ungefähren Standort der/des Corhelpers erhalten.

Hintergrund: Mehr als 70.000 Menschen jährlich erleiden deutschlandweit außerhalb eines Krankenhauses einen plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand. Da der Rettungsdienst durchschnittlich zwischen acht und zwölf Minuten benötigt bis er eintrifft, kann man mit einer Herzdruckmassage lebensrettende Maßnahmen ergreifen.

„Eine gut ausgeführte Laien-Reanimation versorgt das Gehirn weiter mit Sauerstoff und erhöht die Überlebenswahrscheinlichkeit der Patienten um das Dreifache“, erklärt Frank Höpke, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst des Kreises Wesel. Im angrenzenden Kreis Borken und in Duisburg wird die App ebenfalls genutzt. Dadurch können die Corhelper auch über die Kreisgrenze hinweg helfen.

Und so funktioniert das System: Geht bei der Kreisleitstelle ein Notfall ein, der auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand hinweist, wird der Corhelper automatisiert parallel zum Rettungsdienst alarmiert. Das geschieht über einen optischen und akustischen Alarm. Der Corhelper kann dann entscheiden, ob er/sie den Einsatz annehmen möchte. Nimmt der Corhelper den Einsatz an, übermittelt die App die erforderlichen Daten und startet automatisch die Navigation zum Einsatzort.

Vor Ort unterstützt die App bei Bedarf mit Handlungsanweisungen die Reanimationsmaßnahmen. Die Leitstelle ist durch direkte Rückmeldungen der Corhelper-App (zum Beispiel „Einsatz angenommen“, „am Einsatzort angekommen“, „Übergabe an Rettungsdienst“) jederzeit über den Einsatzverlauf informiert. So besteht beispielsweise bei einer Gefahrenlage die Möglichkeit, ausgelöste Alarme abzubrechen oder weitere Unterstützung zu leisten.

Mit der Registrierung als Corhelper ist keine Verpflichtung verbunden. Es gibt jederzeit die Möglichkeit, sich als „nicht verfügbar“ zu melden und dadurch mögliche Alarmierungen zu deaktivieren. Über eine Lernplattform werden den Ersthelfern fortlaufend aktualisierte Informationen zur Verfügung gestellt. Um sich mit dem System vertraut zu machen, gibt es außerdem einen Testmodus, in dem ein Corhelper-Einsatz simuliert werden kann. Für den Fall, dass es zu einem belastenden Einsatz gekommen ist, steht den Helfern eine Einsatznachsorge zur Verfügung, die über die Leitstelle kontaktiert werden kann. Das Team hinter Corhelper im Kreis Wesel unterstützt die Helferinnen und Helfer, die sich jederzeit bei Fragen oder Schwierigkeiten per E-Mail an Felix Knorth unter corhelper@kreis-wesel.de wenden können.

Weitere Informationen gibt es unter https://www.kreis-wesel.de/de/themen/corhelper/ und https://youtu.be/qtIYgAwcUgg.