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Rheurdt/Kreis: Kreis hält Katastrophenplan unter Verschluss

Rheurdt/Kreis : Kreis hält Katastrophenplan unter Verschluss

Noch ist unklar, wie die Kaliumjodidtabletten in Rheurdt und anderen Kommunen verteilt werden.

Kleve (kla/s-g) Sollte es im belgischen Kernkraftwerk Tihange zu einem GAU kommen, dann wäre, je nach Windrichtung, auch die Bevölkerung im Kreis Kleve gefährdet. Daher hat die Verwaltung einen Notfallplan entwickelt, der die Versorgung von Minderjährigen und Schwangeren mit Kaliumjodid-Tabletten vorsieht (wir berichteten).

Für Irritationen sorgt nun bei manchen Politikern im Kreis, dass die Verwaltung in Kleve ihren Katastrophenplan zur Verschluss-Sache erklärt und interessierten Fraktionen - beispielsweise der Wankumer Wählergemeinschaft (WWG) in Wachtendonk - nähere Informationen verweigert. Das sorgt bei diesen nicht gerade für Vertrauen: "Man stelle sich vor, der GAU findet nachts um 2 Uhr statt. Bei vorwiegendem Südwest-Wind wird eine atomare Wolke in 1,5 bis drei Stunden den Kreis Kleve erreichen", beklagt sich WWG-Vorsitzende Peter Philipps. Die Menschen hätten ein Recht, besser informiert zu sein.

Klaus Kleinenkuhnen, Bürgermeister von Rheurdt, meint dazu: "Dass solche Pläne von der Verwaltung geheim gehalten werden, ist durchaus üblich." Aber wenn es um die Verteilung der Tabletten gehe, die eine radioaktive Anreicherung der Schilddrüse verhindern sollen, dann seien ja letztlich die Kommunen in der Verantwortung. "Meiner Meinung nach", sagt Kleinenkuhnen, "sollten die Tabletten an den genannten Personenkreis bereits im Vorfeld verteilt werden." Denn wenn wirklich in dem belgischen AKW nahe der Grenze zu Deutschland etwas schief laufe, dann laufe die Zeit den Behörden rasch weg, wenn noch unklare organisatorische Fragen zu entscheiden seien. Noch ist allerdings nicht klar, wie die Pillen an die Bürger kommen. "Wir gehen erst einmal von zwei Ausgabestellen aus", sagt Kleinenkuhnen. "Die Tabletten für unsere Gemeinde stehen bereit, wir holen sie bald ab."

Einer der Experten bewertete das Thema "Verteilung von Kaliumjodidtabletten" als von Medien zu aufgebauscht. "Ich würde mich ins Auto setzen und sehen, dass ich wegkomme." Die Frage, wie weit er im chronisch überlasteten Straßennetz von NRW wohl komme, ließ er unbeantwortet.

(RP)