Krebsberatungsstelle für den Kreis Wesel geht ain Moers an den Start

Moers : Krebsberatung für den Kreis

Im September geht’s los. Das Bethanien-Krankenhaus bietet die Räume.

Wer nach einer Krebsbehandlung aus dem Krankenhaus entlassen wird, ist längst nicht „ganz der Alte“. „Die Seele ist nicht so einfach zu heilen“, sagte am Montag Kato Kambartel, Leiter des Onkologischen Zentrums am Bethanien-Krankenhaus Moers. Sorgen, Nöte, Probleme bleiben: die Angst vor erneutem Ausbruch der Krankheit, Angst vor dem Tod, Angst um die Familie, die versorgt werden will, Selbstzweifel, Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg in den Beruf, Knatsch mit der Krankenkasse.

Hier setzt eine ehrenamtliche Krebsberatungsstelle an, die im September ihre Arbeit aufnimmt. Patrik Jotzo und Felicitas Kalter werden zunächst zweimal wöchentlich für Ratsuchende am Telefon bereit stehen. Sie sind Psycho-Onkologen am Bethanien-Krankenhaus und helfen dort Krebspatienten, ihre Krankheit seelisch zu bewältigen. Zwar ist die Beratungsstelle am Bethanien angesiedelt, doch soll sie unabhängig sein und Patienten aus dem ganzen Kreis Wesel zur Verfügung stehen. „Schon 2014 haben wir bis auf Kreisbene für eine solchen Beratungsstelle geworben“, sagte Thomas Voshaar, Ärztlicher Direktor am Bethanien. „Die Notwendigkeit haben alle erkannt.“ Gescheitert sei das Vorhaben an der Finanzierung. Nun wird ehrenamtlich gestartet, in der Hoffnung, dass politische Beschlüsse zur Finanzierung einer solchen Einrichtung folgen. Der Beratungsbedarf sei groß, sagte Jotzo. „Wir werden überrannt werden.“ Die bisher nächsten Beratungsstellen seien in Duisburg und Düsseldorf; die Wartezeiten dauerten mehrere Monate. Auf einen Termin bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten müssten Krebskranke manchmal sogar über ein Jahr warten. Hinter Jotzo und Kalter steht ein insgesamt siebenköpfiges Team, dazu gehört auch Psycho-Okologin Kerstin Zimmer vom St.-Josef-Krankenhaus Moers. Weitere Ehrenamtler werden gesucht, aus Bereichen wie Jobcenter, Sozialamt, Pflege, Pädagogik – Menschen, die den Betroffenen seelischem Beistand geben, sie aber auch durch Probleme des Alltags lotsen können. Geplant sei eine Schulung für die ehrenamtliche Mitarbeiter. „Wir wollen uns breit aufstellen“, sagte Jotzo. „Die Patienten können sich mit allen Fragen an uns wenden.“

Krebs ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen die zweithäufigste Todesursache. Und: „Fast jeder zweite Mensch hat im Laufe seines Lebens irgendeine Krebsform“, sagte Thomas Voshaar. Viele Krebsarten seien heilbar, und mit vielen anderen könnten Patienten dank des medizinischen Fortschritts lange leben.

Die Krebsberatungsstelle ist ab September dienstags und donnerstags unter 02841 200 20451 zu erreichen.

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