Moers: Krautfabrik wird Museum

Moers: Krautfabrik wird Museum

Die Bornheimer Krautfabrik feiert in diesem Jahr ihr 250-jähriges Jubiläum. Das ist für Liesel Hannen, Tochter von Hermann und Edith Bornheim, Grund genug im ehemaligen Krauthaus ein Museum einzurichten.

Kamperbrück Rüben- und Apfelkraut begleiten Liesel Hannen bereits ein Leben lang. "Als Kind haben wir in den Milchpapp Figuren mit Kraut reingemalt", erzählt die Issumerin. Die Tochter von Hermann Bornheim will in Kürze im ehemaligen Krauthaus ein kleines Museum einrichten.

Kaufladen mit Museum

"Die Idee entstand bei dem Besuch eines Glasbläsermuseums mit den Landfrauen in der Schweiz", erklärt die 51-Jährige. "Es muss nur alles in das rechte Licht gerückt werden, damit man herausfindet, was früher in der Produktionsstätte stattgefunden hat." Anlass genug ist das 250-jährige Jubiläum der Krautfabrik in diesem Jahr. Zurzeit befindet sich in dem alten Krauthaus mit den grün gestrichenen Fensterfronten ein kleines Lädchen. Jeden Samstag verkauft Hannen dort außer Rübenkraut und verschiedenen Apfelkrautsorten auch Honig, Konfitüren und Obstsäfte. "Der Renner ist im Moment eine Vollkornbrotbackmischung, zu der man nur noch Buttermilch, Hefe und natürlich Rübenkraut hinzufügen muss." Die Kunden kommen aus dem gesamten Umkreis und bringen sogar Bekannte aus Frankreich und der Schweiz mit, um das begehrte Naturprodukt zu erwerben. Bis zum Brand am 31. Mai 1981 haben Hermann und Edith Bornheim selber produziert.

Jetzt übernimmt das aufwendige Herstellungsverfahren nach Originalrezepten eine andere Firma. Beim Rundgang der ehemaligen Produktionsanlage trifft der Besucher auch auf das Herzstück: den Krautkocher. "In unserer Jugend haben wir während des Überwachens des Kochvorgangs unsere Lateinvokabeln gelernt", erinnert sich Liesel Hannen. Bereits jetzt hat Hannen viele Kleinode des Alltags zusammengetragen und ausgestellt. Neben der gemütlichen Eckbank in der ehemaligen Etikettierstube steht ein Nostalgieradio. Die Glasballone, die früher zum Lagern der Halbware, dem unfertigen Apfelkraut, gebraucht wurden, hat sie als dekorative Vasen umfunktioniert. Eine Singer-Nähmaschine mit Fußbetrieb und eine alte Wärmeflasche aus Metall erinnern an die Errungenschaften damaliger Haushalte.

Die ausgeprägte Sammelleidenschaft und der Sinn für Geschichte kommen Hermann Bornheim zu Gute. Bereits jetzt hängen Schautafeln an den Wänden, die von der Landwirtschaft vergangener Tage zeugen. "Nach dem Krieg haben mein Bruder Wilhelm und ich den elterlichen Betrieb übernommen. Damals ging ein neues Leben los. Da hat man sich mit Engagement reingekniet. Tatkräftig unterstützt wurden wir von unserer Schwester Adelheid", erzählt der 89-Jährige.

Standort Kamperbrück

Mit dem Museum bleibt ein Stück Familiengeschichte und auch der Historie des Standorts Kamperbrück nachfolgenden Generationen erhalten.

(RP)