Volkshochschule in Moers : Nachmieter für VHS-Außenstelle gesucht

Der Ableger der Volkshochschule an der Straße Im Moerser Feld zieht bald ins alte Landratsamt. Der Mietvertrag für die nicht mehr gebrauchten Räume gilt aber noch bis 2023 – und kostet die Stadt bis dahin eine Viertelmillion Euro.

Wenn’s um den städtischen Haushalt geht, zählt jeder Euro. Geld zum Fenster hinauswerfen, kann sich Moers nicht leisten. Doch genau dieser Anschein könnte entstehen, wenn nicht bald klar wird, wie die Außenstelle der Volkshochschule an der Straße Im Moerser Feld künftig genutzt wird. Knapp 60.000 Euro an Miete und Betriebskosten zahlt die „Eigenbetriebsähnliche Einrichtung Bildung“ (also letztendlich die Stadt) pro Jahr für die VHS-Außenstelle in einem Bürogebäude. Der 2013 geschlossene Mietvertrag läuft bis Ende August 2023. Voraussichtlich ab dem Frühjahrssemester 2019 braucht die VHS sie aber nicht mehr, denn die Außenstelle wird (neben einer Hanns-Dieter-Hüsch-Ausstellung und einem Museum des 20. Jahrhunderts) zu den Einrichtungen im umgebauten Alten Landratsamt am Kastellplatz gehören.

Steht die VHS-Außenstelle leer, und es fällt kein Stromverbrauch an, sinken die Kosten auf gut 53.000 Euro. Macht bis 2023 also eine runde viertel Million Euro, die die Stadt verpulvern würde. Weil das niemand will, wird nun dringend ein Nach- beziehungsweise Untermieter für die Räume gesucht. Die Möglichkeit, Räume an Dritte weiterzuvermieten, „die gleiche oder ähnliche Mietzwecke verfolgen“ ist seinerzeit im Mietvertrag festgehalten worden. Auch sei der Vermieter (ein Unternehmen der Zumwinkel-Gruppe) bereit, den Mietvertrag aufzulösen, sollte ein solventer Nachmieter gefunden werden. Doch obwohl der Umzug der VHS-Außenstelle seit ein paar Jahren feststeht, ist ein Nachmieter – vielleicht wegen der etwas abgeschiedenen Lage – nicht in Sicht. Es habe einige Interessenten und Besichtigungstermine gegeben, sagt Stadtsprecher Thorsten Schröder. Aber ohne einen Erfolg.

Nun will die CDU-Fraktion prüfen lassen, ob die neue Pflegekinderstelle der Stadt in das Gebäude im Moerser Feld ziehen kann. Das habe die Verwaltung bereits aufgrund der Pläne der Immobilie getan und verworfen, sagt Schröder. Den Vorschlag der CDU wolle man im Rathaus aber zum Anlass nehmen, sich die Räume in Natura anzusehen. Weil die Pflegekinderstelle zusammenhängende Räume benötigt und diese im Rathaus nicht vorhanden seien, möchte die Stadtverwaltung die für Flüchtlinge aufgestellte Containeranlage an der Utforter Rathausallee für 330.000 Euro umbauen und die Pflegekinderstelle dort unterbringen. Im Haupt- und Finanzausschuss ist dieser Vorschlag allerdings auf Ablehnung gestoßen (wir berichteten). Platz bietet die VHS-Außenstelle reichlich. Im ersten Obergeschoss belegt sie 410 Quadratmeter, im Untergeschoss (wo zurzeit die Bürgerfunker zu Hause sind) 100 Quadratmeter. Weil ein Teil der Kellerräume kein Tageslicht hat, sei er für die Pflegekinderstelle kaum geeignet, sagt Schröder. Zudem seien möglicherweise Umbauten notwendig.

„Wir verstehen nicht, warum die Pflegekinderstelle nicht da rein kann“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Ingo Brohl. Sollte dies aber so sein, hat die CDU einen weiteren Vorschlag im Köcher: „Auch die Nutzung der Räume als Fraktionszimmer wäre eine Möglichkeit.“ Die Christdemokraten haben bereits in der vergangenen Woche ihre Bereitschaft signalisiert, Fraktionsräume außerhalb des Rathauses zu nutzen. Ihre Idee: Würden andere Fraktionen dem Beispiel folgen, könnte im Rathaus wohlmöglich Platz für die Pflegekinderstelle entstehen.

Bleibt noch die Frage, warum 2013 ein Mietvertrag mit zehnjähriger Laufzeit für die VHS-Außenstelle abgeschlossen wurde – der Ratsbeschluss dazu erfolgte einstimmig. Man könnte den damaligen Ratsmitgliedern Kurzsichtigkeit vorwerfen, denn schon vor fünf Jahren gab es Überlegungen, mit der VHS-Außenstelle ins alte Landratsamt zu ziehen. „So klar war das damals aber noch nicht“, sagt dazu Ingo Brohl. Die Option, das alte Landratsamt im Paket mit dem alten neuen Rathaus an einen Investor zu verkaufen habe noch bestanden.

Neue Räume für die Volkshochschule wurden damals gebraucht, weil die VHS-Außenstelle in der alten Cecilienschule in Scherpenberg aus Kostengründen aufgegeben wurde. Die VHS musste über 40.000 Euro einsparen, ein nur über fünf Jahre laufender Mietvertrag für die Räume Im Moerser Feld hätte einen höheren Mietpreis bedeutet. Das wollte man 2013 verhindern. Aus heutiger Sicht war das vielleicht ein Fehler.