Unsere Woche: "Koste es, was es wolle" ist kein Konzept!

Unsere Woche : "Koste es, was es wolle" ist kein Konzept!

Liebe Mitmoerser, in den vergangenen Tagen haben wir viel über das Weiße Haus gesprochen. Dass das denkmalgeschützte Gebäude, das ursprünglich Bestandteil einer privaten Heilanstalt war, heute der Stadt gehört und seit 2013 leer steht, nicht - wie von Verwaltung und der CDU favorisiert - an private Investoren verkauft werden soll, ist bereits beschlossen. Zwar gibt es drei Kaufinteressenten. Doch die Ratsmehrheit von SPD, Grünen und Grafschaftern (Bündnis für Moers) möchte den historischen Bau am Kastellplatz, vis-à-vis vom Terheydenhaus, in den Händen der Stadt belassen. Okay.

Die Frage, die weiß Gott nicht erst seit gestern im Raum steht, ist nun, was stattdessen Sinnvolles damit geschehen kann. Vor eineinhalb Wochen ließ das Bündnis öffentlich durchsickern, man habe sich auf ein weitreichendes Nutzungskonzept für beide Gebäude verständigt. Demnach soll das Erdgeschoss des Weißen Hauses künftig für Trauungen genutzt werden, im Obergeschoss sowie im angrenzenden ehemaligen Verwaltungstrakt und Ratssaal soll das Schlosstheater eine neue, große Spielstätte erhalten. Dafür soll das Schlosstheater-Studio im Terheydenhaus aufgegeben werden. Dort soll die Stadtinformation unterkommen. Oberstes Ziel der Bündnis-Planung sei eine perspektivisch sinnvolle Attraktivierung des Schlossumfelds - das Schaffen einer touristisch wertvollen Mitte, die sich langfristig wirtschaftlich rentiert, sagt SPD-Fraktionschefin Carmen Weist. Nun ja. Die Vorschläge zum Standesamt und zur Stadtinfo klingen doch sehr nach Alibi. Trauungen im Schlossumfeld sind auch jetzt schon möglich - zum Beispiel im Schloss. Tatsächlich geht es wohl hauptsächlich darum, den - durch den Wegfall der Räume für Werkstatt und Lager im nördlichen Schlosshof - unbestritten Raumbedarf des Schlosstheaters zu decken. Die Verwaltung schlägt einen Anbau an das Terheydenhaus und eine Unterbringung der Werkstatt am Jostenhof vor. Auch diese Lösung kostet Geld: rund drei Millionen Euro. Das, was sich das Bündnis vorstellt, dürfte mindestens doppelt so teuer werden - was nicht bedeutet, dass man nicht darüber reden kann. Am Montag haben die Ratsfraktionen eine erste grobe Kostenschätzung erhalten. Mit seinen Plänen preschte das Bündnis aber bereits Tage vorher vor. Im Klartext sagen die Kooperationspartner damit: Das Geld der Bürger ist uns egal, koste es, was es wolle - im Zweifel drücken wir's durch! Ganz ehrlich: So ein Verhalten ist der Grund, warum viele Menschen nicht mehr wählen gehen. Tatsache ist: Moers bekommt im Moment noch Unterstützung vom Land. In den kommenden drei Jahren gibt es jeweils 3,4 Millionen Euro weniger, und wo genau die eingespart werden sollen, ist auch noch nicht klar. In so einer Situation mit Plänen ohne tragfähigen Gegenfinanzierungsvorschlag nach draußen zu gehen, ist weder seriös, noch ein Konzept. Gegenüber der Bezirksregierung wird die Stadt die Notwendigkeit der Millionenausgaben gut begründen müssen.

julia.hagenacker@rheinische-post.de

(RP)
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