Konstantin Wecker im Konzert in Moers am Samstag

Interview: Poesie ist Widerstand

Konstantin Wecker, wer kennt ihn nicht als poetischen Liedermacher und Sänger? Doch daneben ist der heute 71-Jährige außerdem auch noch Komponist diverser Filmmusiken und Musicals, Verfasser zahlreicher Lyrik- und Prosawerke, neuerdings auch Gastprofessor an der Universität Landau und nicht zuletzt ein engagierter Kritiker gesellschaftlicher und politischer Missstände nicht nur in Deutschland. Am Samstag wird er ab 20 Uhr mit seinem Programm „Poesie und Widerstand“ in der Enni Eventhalle in Moers zu Gast sein.

Sie hatten im letzten Jahr eine große Tournee anlässlich Ihres 70. Geburtstages. Wie kann man dieses Konzert in Mores jetzt dort einreihen?

Wecker Es ist eine Art Wiederholung, aber dennoch mit vielen aktualisierten Beiträgen.

In welcher Art aktualisiert? Politisch und gesellschaftlich? Oder eher künstlerisch?

Wecker Ich habe mich schon immer in erster Linie als Poet gesehen, aber ich denke, es wird immer notwendiger für uns alle, sich politisch mehr zu engagieren. Da ist zum Beispiel dieser unerträglich homophobe und frauenfeindliche Präsident in Brasilien oder das, was im Moment in im Mittelmeer passiert. Da werden Leute verhaftet, die nichts anderes wollen, als anderen Menschen zu helfen.

Was, meinen Sie, können Sie mit Ihren Liedern dagegen ausrichten?

Wecker Ich glaube nicht, dass man mit Liedern kurzfristig viel Einfluss auf die Politik nehmen kann. Aber ich kann damit die Menschen auffordern, sich zu engagieren. Früher habe ich mal gedacht, Poesie und Widerstand seien zwei verschiedene Sachen. Inzwischen denke ich: Poesie ist Widerstand. Und, dass man damit vielleicht bei den Politikern auch das anrühren kann, was sie sich selbst offenbar immer mehr verbieten, Mitgefühl und Empathie.

Zurück zu Ihrem Moerser Konzert am Samstag. Waren Sie schon mal hier? Sie haben doch vor vielen Jahren die Musik für Hanns Dieter Hüschs Album „Hagenbuch hat jetzt zugegeben“ komponiert und eingespielt.

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Wecker Ich weiß nicht mehr genau, wann das war. Es ist schon so lange her. Hanns Dieter Hüsch war mit seiner Poesie eine Art Lehrmeister für mich. Deswegen habe ich mich besonders gefreut, dass man mich für diesem Samstag nach Moers eingeladen hat. Und deswegen werde ich an diesem Abend auch eines seiner Lieder singen.

Welches wird das sein?

Wecker „Ich sing‘ für die Verrückten.“

Was dürfen Ihre Besucher an diesem Abend sonst noch erwarten? Zum Beispiel an Liedern zu speziellen, besonders aktuellen politischen Themen?

Wecker Nein. Ich möchte mich in meiner musikalischen Arbeit nicht politisch eingrenzen. Mir geht es darin eher um Menschlichkeit und um die Kreaturen unserer Erde.

Wie zum Beispiel um die Bäume im Hambacher Forst, zu dessen Räumung Sie sich erst kürzlich recht eindeutig geäußert haben?

Wecker Ja, auch darum. Die Besetzer dort hatten ein fast schon herrschaftsfreies Konzept. Das bewundere ich. Ich finde die großartig. Die Antwort zu meinem Programm am Samstag in Moers: Das wird eine Mischung aus alten und neuen Liedern sein. Darüber hinaus werde ich ein wenig über mich selber erzählen und ein paar kurze Passagen aus meinem neuen Buch „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ vorlesen.

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