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Kommunalwahl in Moers: Sie wollen an die Verwaltungsspitze

Kommunalwahl in Moers : Sie wollen an die Verwaltungsspitze

In Moers haben, Stand heute, eine Frau und sechs Männer die Bereitschaft erklärt, den Chefsessel im Rathaus erobern beziehungsweise verteidigen zu wollen. Stichtag für das Einreichen von Wahlvorschlägen ist der 27. Juli.

Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie: Am Termin für die Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen am 13. September 2020 wird nicht gerüttelt. Das hat das NRW-Innenministerium mit einem neuen Erlass noch einmal bekräftigt. Ende Mai hat NRW-Innenminister Herbert Reul schriftlich festgelegt, dass der Stichtag für das Einreichen von Wahlvorschlägen noch einmal um elf Tage verschoben werden kann. Das wäre dann der 27. Juli 2020. In Moers wollen – Stand heute – eine Frau und sechs Männer den Chefsessel im Moerser Rathaus erobern oder verteidigen. Weitere „Bewerbungen“ sind möglich. Zumindest mit dem Kandidaturgedanken gespielt haben sollen auch Otto Laakmann (ehemals FDP, jetzt FBM) und der Sprecher des AfD-Kreisvorstands, Renatus Rieger. Parteien und Wählervereinigungen legen ihre Kandidaten bei Austellungsversammlungen fest.

Christoph Fleischhauer (CDU)
Er will noch einmal: Bürgermeister Christoph Fleischhauer tritt bei der Kommunalwahl 2020 erneut als – nach eigenen Worten „überparteilicher“ – Bürgermeisterkandidat der CDU an. Die Entscheidung verkündete der seit Mai 55-Jährige im April vergangenen Jahres nach einiger Bedenkzeit. Was folgte, war ein Angebot: „Wenn ich das Amt wahrnehmen, dem Rat vorstehe oder im Rathaus Entscheidungen zu treffen habe, dann bin ich der Amtsträger, der natürlich Ideale und Bewertungen seiner Partei in sich trägt, aber nicht versucht, das Amt auszunutzen“, sagte Fleischhauer. Die Rolle des Vermittlers hat der Rechtsanwalt, der seit Juni 2014 im Amt ist und sich auch ausgebildeter Mediator nennen darf, zu einer Art persönlichem Markenzeichen gemacht. In der öffentlichen Wahrnehmung wurde der Moerser Verwaltungschef in der Corona-Krise aber auch zum Macher.

Ibrahim Yetim (SPD) Die Sozialdemokraten haben lange nach dem Richten – dem idealen Herausforderer für den Amtsinhaber – gesucht. Wegen mangelnden Rückhalts innerhalb der Partei zog im vergangenen Jahr zunächst Gewerkschafter Detlef Raabe sein Angebot zur Kandidatur zurück. Daraufhin nahm eine parteiinterne Findungskommission die Arbeit auf. Am Ende stand ein Wunschkandidat vieler Genossen – ein Mann mit Erfahrung und „Gesicht“: Ibrahim Yetim, 55 Jahre alt, Landtagsabgeordneter und bislang stellvertretender Bürgermeister der Grafenstadt, tritt im September für die Moerser SPD im Wahlkampf um das Bürgermeisteramt an. In einer Kampfabstimmung setzte sich der

Sohn türkisch-kurdischer Einwanderer und gelernte Bergmechaniker im Januar gegen den 30 Jahre alte Unternehmensjuristen Michael Pela durch. Er wolle und werde kein Moderator sein, der versucht es jedem Recht zu machen, sagte Yetim damals. „Ich werde ein Bürgermeister sein, der – mit einer klaren Haltung und einem klaren Kompass – für diese Ideen eintritt.“

Claus Peter Küster (Die Grafschafter) Dreimal hat Claus Peter Küster bereits für das Bürgermeisteramt kandidiert, dreimal musste er sich geschlagen geben. Jetzt will er einen weiteren Versuch unternehmen, Chef im Moerser Rathaus zu werden. Die Mitglieder der Wählergemeinschaft Die Grafschafter haben sich einstimmig für seine Kandidatur ausgesprochen – nicht ohne Grund. Der 59-Jährige ist einer „von hier“. Zur Kommunalpolitik kam er vor mehr als 15 Jahren, unter anderem als in Meerbeck und Scherpenberg die Stadtteilbüchereien geschlossen und in Vereinshand übergeben wurden. Küster lebt in Moers, ist verwurzelt, weiß, wie Stadtrat und Verwaltung arbeiten. Er selbst, sagte er im vergangenen Jahr, wäre auch bereits gewesen, den ursprünglichen Plan umzusetzen und als gemeinsamer Bündnis-Kandidat für SPD, Grüne und Grafschafter in den Ring zu steigen. Bevor Küster gefragt wurde, präsentierten die Sozialdemokraten dann aber Detlef Raabe.

Diana Finkele (parteilos, unterstützt von den Grünen) Mit dieser Personalie gelang dem Vorstand der Grünen im Januar – mitten in der Hochzeit der „Fridays for Futur“-Klimadiskussion – ein echter Überraschungscoup: Diana Finkele, die gelernte Historikerin, die 2004 als Museumsleiterin aus Sachsenheim im Großraum Stuttgart nach Moers kam und seit Januar 2013 Leiterin der eigenbetriebsähnlichen Einrichtung Bildung ist, flog bis zur entscheidenden Mitgliederversammlung komplett unter dem öffentlichen Radar. Dabei wurde die spannende Frage: „Was machen eigentlich die Grünen?“ in den Monaten davor immer wieder gestellt. Noch kurz vor Weihnachten schien weit und breit kein geeignetes „grünes“ Personal in Sicht. Die Grünen, hieß es, wollten zunächst abwarten, wie sich die SPD entscheidet. Nur Tage nachdem Ibrahim Yetim als Kandidat feststand, wurde Finkele präsentiert – keine gute Nachricht für die Sozialdemokraten.


Dino Maas (FDP) Seit August vergangenen Jahres ist es offiziell: Dino Maas ist Bürgermeisterkandidat der Moerser Liberalen. Der 54 Jahre alte Vorsitzende der FDP-Ratsfraktion will die Großstadt Moers zu einer kreisfreien Stadt machen. Das teilte Maas im April bei der Vorstellung des vorläufigen FDP-Bürgerprogramms für die Kommunalwahl 2020 mit. Im Januar hatten Maas und Gabriele Kaenders zur Fraktion „Freie Demokraten“ zusammengetan. Kaenders, bislang Galionsfigur der Linken in Moers, hat ihrer Partei den Rücken gekehrt. Damit wurde auch ihre Bürgermeister-Kandidatur für die Linken hinfällig. Auch Maas war eine kurze Zeit lang „Einzelkämpfer“ im Rat. Seine ehemaligen FDP-Fraktionskollegen Otto Laakmann und Paul Süßer gründeten unter dem Namen „Freie Bürgerliste Moers“ (FBM) eine eigene Fraktion. Im Hintergrund stand ein Zwist bei der FDP um die Kandidatennominierung für die Kommunalwahl.

Torsten Gerlach (parteilos) Der 35 Jahre alte Hauptkommissar der Bundespolizei, der Anfang 2019 als erster von mittlerweile sieben Bewerbern seine Bereitschaft zur Kandidatur für das Bürgermeisteramt öffentlich machte, ist offiziell der erste parteilose Einzelbewerber auf das Bürgermeisteramt in der Geschichte der Stadt Moers. Seit dem 6. Mai liegen dem Rathaus insgesamt mehr als gültige 340 Unterstützungsunterschriften zu seiner Kandidatur vor, 270 wären nötig gewesen. „Die Moerserinnen und Moerser erhalten damit erstmalig die Möglichkeit, das Bürgermeisteramt von den bisherigen Partei-Abhängigkeiten zu emanzipieren und einen signifikanten Teil unserer kommunalen Struktur neu zu denken“, sagt Gerlach. Als unabhängiger Kandidat wolle er Bürgermeister für alle Moerser sein.

Markus Helmich (parteilos) Auch der Moerser Markus Helmich will Bürgermeister werden. Im Februar hat der parteilose Marketingberater, dreifache Vater und ehrenamtliche Geschäftsführer des Presseclub Niederrhein seine Kandidatur erklärt. „Ich möchte als parteiloser Bürger auf die politischen Grabenkämpfe verzichten und mit pragmatischen Entscheidungen eine Stadt wie Moers nach vorne bringen“, sagt er. Einen Großteil der notwendigen Unterstützungsunterschriften für seine Kandidatur lägen im Rathaus bereits vor, sagte Stadtsprecher Klaus Janczyk.