Kommentar: Ex-Linke Gabriele Kaenders aus Moers bleibt sich treu.

Meinung Neue Fraktion im Moerser Rat : Kaenders bleibt Kaenders

Die Moerser Vorzeige-Linke Gabriele Kaenders hat ihre Partei verlassen und sich mit Dino Maas (FDP) zu einer neuen Fraktion zusammengetan. Frühere Äußerungen über die linken „Abspalter“ Napp und Hübel fallen ihr nun auf die Füße.

Ratsfrau Gabriele Kaenders war eine Linke und wird es, machen wir uns nichts vor, immer bleiben. Auch wenn sie aus ihrer Partei ausgetreten ist und zu Dino Maas (FDP) übergelaufen ist, mit dem sie die neue Fraktion „Freie Demokraten“ im Rat bildet. „Meine Überzeugungen werde ich nicht von heute auf morgen ändern. Manche gar nicht“, sagte sie, als Maas und sie dies bekanntgaben. Kaenders war immer auch eine pragmatische Politikerin mit eigenem Kopf. Schon in der Vergangenheit scheute sie sich nicht, mit der FDP zu liebäugeln, oder gar der CDU, wenn es der (aus ihrer Sicht) guten und richtigen Sache diente. Ihre Alleingänge sorgten innerhalb der Linken sicherlich nicht immer für Jubel.

Dass Kaenders sich nun mit Maas zusammentut, ist menschlich verständlich. Das Dasein als Einzelkämpferin im Rat scheint sie an den Rand ihrer Kräfte gebracht zu haben. Politisch bleibt aber ein Makel. Wäre ein sauberer Schnitt und die Aufgabe des Ratsmandats für sie nicht die bessere, „saubere“ Lösung gewesen? Die Antwort heißt, leider: ja. Nicht weil jeder, der seine Partei verlässt, sein Mandat aufgeben müsste. Sondern weil Kaenders dies selbst gefordert hatte, als ihre ehemaligen linken Fraktionskollegen Heiner Napp und Brigitte Hübel sich als Fraktion Pro Kultur 2017 selbstständig machten. „Keiner der 2473 Moerser hat 2014 eine Fraktion Pro Kultur gewählt, sondern Mitglieder der Partei Die Linke“, sagte Kaenders damals. „Die nun vollkommen bindungslos und eigennützig im Rat agierenden Hübel und Napp haben deshalb auch keinerlei Recht, für diese Wähler im Rat oder in Ausschüssen zu sitzen und zu sprechen.“ Angesichts dieser Worte kratzt ihr jetziges Verhalten an ihrer Integrität.

Verlässt ein gewählter Volksvertreter seine Partei, fordert diese meist reflexartig den Rücktritt vom Mandat. Die Moerser Linke blieb bisher still; in der nächsten Woche werde „etwas kommen“, heißt es. Gabriele Kaenders hat dazu, wie zu vielen Dingen, ihre eigene Meinung: Es gebe einfach keinen linken Huckepack-Kandidaten, für den sie Platz machen könnte: „Beate Huppertz Hermann – hat sich von uns getrennt, Peter Kopec der Liebe wegen nach Holland verzogen, Gerd Kleefeld – der Frau und ihrem Gartenwunsch wegen nach Sevelen verzogen, Christian Thomas – aus Partei und Fraktion ausgetreten, Christian Ranft – wie vor, Gotthilf Kaus – kein Parteimitglied, Wolfgang Abel - mein Mann will nicht“, sagt sie. „So habe ich sieben gute Gründe, mein Mandat zu behalten.“

So oder so: Die Fraktion Freie Demokraten wird nicht mehr als ein kleiner Farbtupfer in der Moerser Politiklandschaft bleiben. Die Zeit bis zur Kommunalwahl ist kurz, Kaenders hat längst angekündigt, nicht mehr zu kandidieren. Sie und ihr Mann sitzen auf gepackten Koffern, es zieht sie nach Berlin. Schon jetzt muss man dies bedauern, weil Kaenders neben Sachverstand immer wieder auch Herz und Humor in den Moerser Rat bringt. Ihren jetzigen Fauxpas werden ihr viele ihrer Wähler verzeihen, denn Gabi Kaenders war stets Linke, vor allem aber war und ist sie – Gabi Kaenders.

Josef

Pogorzalek

Josef Pogorzalek, RP-Redakteur,. Foto: Klaus Dieker

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