Klimanotstand in Moers ist Mumpitz

Unsere Woche : Klimanotstand in Moers ist Mumpitz

Was Klima-Aktivistin Greta Thunberg angeht, ist dem Moerser TV-Star Detlef Steves neulich der Kragen geplatzt. „Eine 16-Jährige beweint den Hambacher Forst? Die sollte lieber beweinen, dass ihr Freund auf einer Party mit ner anderen geknutscht hat, oder dass sie gestern keine Karten mehr für Pink bekommen hat“, ätzte Steves auf seiner Facebook-Seite.

Und weiter: „Demnächst läuft sie noch über das Wasser und teilt Flüsse! … Klimaschutz ja, aber nicht von jemandem, der meint, der Messias zu sein mit 16.“ Damit hat Steves eine Riesendiskussion losgetreten. Unter den mehreren Tausend Kommentaren sind viele zustimmende. „Endlich mal einer, der Eier hat und bei gesundem Verstand ist“, heißt es da. Oder auch: „Wir bräuchten mehr bekannte Gesichter, die sich trauen, die Wahrheit zu sagen.“

Tatsächlich haben nicht wenige von uns das Gefühl, dass die Fridays-for-Future-Bewegung ein wenig ab-, wenn nicht sogar durchdreht. Spätestens seit Greta Thunberg eine Hochleistungs-Segelyacht geentert hat, um den Atlantik zu überqueren, fragt man sich, ob die Jeanne d’Arc der Klimabewegung noch alle Planken an Bord hat. Der Dieselmotor des Kahns sei versiegelt worden, ist im Netz zu lesen, könne aber im Notfall aktiviert werden. Und ein Eimer diene als Toilette. Das Geschäft werde dann in Beuteln im Meer versenkt. In abbaubaren Beuteln, versteht sich. Was dieses Mädchen auf sich nimmt, um die Welt zu retten!

Und was macht Fridays for Future vor der Haustür? Sommerpause. Ferien sind Ferien. Was sollen auch Demos, wenn man nicht gleichzeitig die Schule schwänzen kann? Aber nach den Ferien, da wollen die Grafschafter Klima-Jünger wieder so richtig durchstarten.

Bei Fridays for Future kann einem einiges, um mit Detlef Steves zu sprechen, „auf die Eier“ gehen. Aber trotz aller Kritik: Die Bewegung hat Recht. Es muss etwas geschehen, nicht morgen oder irgendwann, sondern jetzt. Der Klimawandel ist Realität, und noch mehr als Thunberg und Co. nerven Trump und Konsorten, die dies wider alle wissenschaftliche Evidenz bestreiten.

Dass etwas geschehen muss, hat zum Glück auch die Politik erkannt. Die Städte der Grafschaft haben ja schon länger Klimaschutzpläne aufgestellt und Klimaschutzmanager beschäftigt. Über die Inhalte des „Klimaschutz-Masterplans“, den das Bündnis für Moers will, kann man streiten. Aber die Richtung stimmt, will man etwas für Klimaschutz im Kleinen tun. Was jedoch den „Klimanotstand“ angeht, der demnächst in Moers ausgerufen werden soll: Das Papier, auf dem die Fridays-for-Future-Gruppe den Antrag verfasst hat, hätte sie sich sparen können. Weniger Papierverbrauch ist gut fürs Klima. Alle wissen, dass der „Klimanotstand“ in Moers Mumpitz ist, die Antrag­steller selbst sagen, dass der Ausdruck symbolisch zu verstehen sei. Und ich dachte, Symbolpolitik fürs Schaufenster habe es genug gegeben, ich dachte, jetzt sollten Taten folgen. Fridays for Future wird doch nicht in der politischen Wirklichkeit angekommen sein?

Josef.Pogorzalek@Rheinische-Post.de

Mehr von RP ONLINE