Kleiner Chor singt in Moers große Lieder, die von Freiheit erzählen.

Musik in Moers : Großartige Aufführung: Kleiner Chor singt große Lieder

Das 13-köpfige Vokal-Ensemble aus Friemersheim war mit seinem Programm in der Moerser Stadtkirche zu Gast. Es sang Lieder aus unterschiedlichen Epochen.

„Freiheit“ ist ein Begriff mit vielen Facetten. Der Kleine Chor Friemersheim hat ihn musikalisch interpretiert. In einem 90-minütigen Konzert präsentierte das 13-köpfige Duisburger Vokal-Ensemble am Sonntag unter dem Titel „Wir haben einen Traum“ insgesamt 22 Freiheitslieder aus unterschiedlichen Zeit- und Stilepochen in der Evangelischen Stadtkirche in Moers. „Wir machen jedes Jahr ein neues Programm. Diesmal haben wir dafür das Thema Freiheit gewählt“, erklärte Udo van der Koelen, der das anfänglich aus nur zwei weiblichen und zwei männlichen Sängern bestehenden Ensemble vor 20 Jahren mitgegründet hat. Seither hat sich der heute von seiner Tochter Elisabeth van der Koelen geleitete Chor kontinuierlich erweitert, ist mit seinen inzwischen 13 Mitgliedern aber immer noch eher klein.

Umso beeindruckender war sein stimmliches Können, das er in der Moerser Stadtkirche bewies. Dabei reichte das breit gefächerte Repertoire von Bach-Chorälen über Mozartstücke und Gospels bis hin zu Louis Amstrongs berühmten Hit „What a wonderful Word“ und dem 1898 von politischen Gefangenen auf ihrem Marsch in die sibirische Verbannung gesungenen „Brüder zur Sonne zur Freiheit“. Zum näheren Verständnis hatte der Chor sein freiheitliches Liedprogramm in die sechs auf einander folgenden Sinnbereiche „Gefahr“, „Trauer“, „Trost“, „Hoffnung“, „Mut“ und „Aufbruch“ unterteilt und jeden Teil mit einer kleinen von Udo van der Koelen vorgetragenen Einführung versehen. So fragte er zum Beispiel zum ersten Teil „Gefahr“: „Wie kann es sein, dass es 44 Jahre nach der Befreiung von Ausschwitz wieder Leute gibt, die die Moerser Stolpersteine mit Hakenkreuzen beschmieren?

Wir wollen in diesem Konzert über die Bedrohung von Freiheit singen, aber auch darüber, was wir dagegen tun können.“ „Wie nun ihr Herren, seid ihr stumm, dass ihr kein Recht könnt sprechen?“, lautete denn auch gleich zu Anfang eines von Cornelius Becker 1602 getextetes Lied. Oder: „Es brennt, Brüder, es brennt! Ach unser armes Städchen, es brennt! Und ihr steht und schaut umher mit untätigen Händen“, in dem der 1942 verstorbene jüdisch-polnische Dichter und Komponist Mordehay Gebirtig die Situation seiner Glaubensbrüder im Warschauer Ghetto beschrieben hatte. Unter dem Teilbegriff „Hoffnung“ gab es zum Beispiel das Lied „Wer bis zum Ende beharrt, der wird selig“ aus Felix Mendelssohn-Bartholdys „Elias“, unter „Mut“ die beiden Volkslieder „Die Gedanken sind frei“ und „Grünet die Hoffnung, halb hab ich gewonnen“, und schließlich am Ende unter dem Begriff „Aufbruch“ den von allen gemeinsam gesungenen, bekannten Gospelsong „We shall overcome“.

Der nächste Auftritt findet statt am 7. April in der St.-Dionysius-Gemeinde Duisburg Mündelheim, Uerdinger Straße 183.

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